Kritik an Denkmalschutz für "Führerglocke"

4. Juli 2013, 19:16
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Anzeige weitergeleitet an Staatsanwaltschaft

Wolfpassing/Wien - Die Mitteilung des Bundesdenkmalamts (BDA), dass die sogenannte "Führerglocke" aus Denkmalschutzgründen im Schloss Wolfpassing im Mostviertel bleiben muss, kann man im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) nicht nachvollziehen. DÖW-Leiterin Brigitte Bailer sagte am Donnerstag, das leiste weiterem Verschweigen Vorschub. Selbst wenn ein erklärendes Schild angebracht würde, habe sie mit dieser Lösung kein gutes Gefühl. "Mir kommt vor, wir prolongieren das Nichtwissen- und Nichtsehenwollen", sagte Bailer.

Bailer ist dafür, die Glocke, deren Inschrift Adolf Hitler gewidmet ist und ein Hakenkreuz aufweist, einem öffentlichen Museum oder Archiv zu übergeben. Das 1935 hergestellte Objekt ehrte ursprünglich Engelbert Dollfuß, wurde 1939 aber eingeschmolzen und in ihrer bis heute erhaltenen Form neu gegossen.

Staatsanwaltschaft entscheidet

Regionalhistoriker Johannes Kammerstätter hat ihre Existenz publik gemacht und den kürzlich erfolgten Verkauf der Glocke - bei Verkauf des Schlosses - bei der Bezirkshauptmannschaft (BH) Scheibbs angezeigt. Am Donnerstag bestätigte Bezirkshauptmann Johann Seper das Einlangen dieser Anzeige. "Wir haben sie an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, die nun entscheiden muss, ob strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt", sagte Seper dem STANDARD.

Kammerstätter zeigt sich verwundert: "Ich habe vorher extra bei der Staatsanwaltschaft nachgefragt, wer zuständig ist, und da wurde ich an die BH verwiesen." Kammerstätter sieht seine Aufgabe dennoch so weit als erfüllt an: "Ich habe mein Möglichstes getan, jetzt haben stärkere Stimmen das Wort." (spri, DER STANDARD, 5.7.2013)

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