Sony über PlayStation 4: Online-Zwang und neues DRM waren nie geplant

5. Juli 2013, 10:00
209 Postings

PlayStation-Chef House: Interesse der Kunden hat Vorrang, 140 Spiele im ersten Jahr

"Wir waren sehr erfreut über die Reaktion", sagt Andrew House im Interview mit dem "Guardian". House ist CEO von Sony Computer Entertainment und damit auch oberster Entscheider für die PlayStation-Abteilung. Dabei bezieht er sich auf die Reaktionen von Spielern und Journalisten auf der E3 in Los Angeles.

Teilt man die Messe in Gewinner und Verlierer, so darf sich Sony zu den Ersteren zählen. Während Microsoft eisern seine ursprüngliche Xbox One-Policy mit Online-Zwang und Gebrauchtspiel-Restriktionen verteidigte, sorgte Sony für Begeisterung, ohne dabei viel zu ändern. In Sachen Second-Hand-Games wird sich im Vergleich zum Vorgänger nichts ändern, ebenso muss man nicht online sein, um die Konsole zu nutzen. Die weitere Geschichte ist bekannt. Nur wenig später legte Microsoft den Rückwärtsgang ein und änderte die Politik zu seiner Next-Gen-Konsole radikal ab.

Spieler waren verunsichert

Für Sony hatte die Aufregung um die Xbox One positive Nebeneffekte. House erklärt, dass man nie vorgehabt hatte, am eigenen DRM- und Online-Reglement etwas zu ändern. Trotz allem waren die Spieler nach der Erstankündigung der PS4 im Februar zunehmend verunsichert, nachdem Microsofts Pläne stückweise an die Öffentlichkeit gelangt sind. Die Verunsicherung der Kunden dürfte zusätzlich zum Teil aber wohl auch auf Sonys eigenem Verhalten gegründet haben. Gegen Jahreswechsel kamen schließlich Berichte auf, wonach der Konzern sehr wohl an neuen DRM-Methoden geforscht hatte - wenngleich das nicht bedeuten muss, dass diese auch in reale Produkte einfließen.

Für Sony spricht in dem Fall, dass bereits unmittelbar nach der Vorstellung im Februar PlayStation-Spiele-Boss Suhei Yoshida bekräftigte, dass man keine Online-Zwang-Systeme und dergleichen implementieren wird. "Ich muss sagen, dass wir etwas perplex waren, da wir nicht die Intention hatten das Modell zu ändern, dass uns bereits einige Plattformzyklen lang gut gedient hat. Also hatten wir das Gefühl, dass unsere E3-Pressekonferent eine gute Möglichkeit wäre, klare Worte zu sprechen", schildert House. Er verneint überdies, dass Publisher versucht hätten, Sony zur Implementierung strengerer Kopierschutzmaßnahmen zu drängen.

Gebrauchtspiele

"Man muss hier vorsichtig eine Balance finden", sagt der Sony-Manager weiter zum Thema Gebrauchtgames dem Guardian. "Wir sind selbst ein Spielepublisher, also sehen wir durchaus Argumente dafür, dass es ein Modell geben sollte, bei welchem die Content-Ersteller an Zweitverkäufen mitverdienen. Allerdings sehen die Konsumenten den Besitz als wichtigen Vorteil beim Erwerb eines physischen Produktes." Überdies würden das Geld durch den Verkauf von Gebrauchtspielen zumeist wieder in neue Spiele investiert, wovon alle profitieren. "Wir sind mit diesem System bisher immer sehr gut gefahren."

Seiner Ansicht nach war der Protest der Spieler gegen Microsofts Politik nicht nur der Ausdruck einer lautstarken Minderheit, sondern reflektierte auch ganz allgemeine Sorgen darüber, was Besitz im Zeitalter digitaler Inhalte bedeutet. Am Ende, so House, entschied man sich, den Interessen der Kunden Vorrang zu geben. In diesem Aspekt wurde auch die Entscheidung gefällt, die Konsole um hundert Dollar billiger anzubieten und sie im Sinne der Wahlfreiheit dafür nicht mit der PlayStation Kamera zu bündeln.

Positives Echo von Entwicklern

Großes Interesse für die PS4 ortet House auch den Entwicklern - nicht zuletzt wegen des Wechsels auf eine andere Hardware-Plattform. Statt weiter auf Cell-Architektur zu setzen, bildet die Basis der neuen Konsole eine x86-Plattform mit Prozessor und Grafikeinheit von AMD.

Zwar hatte Microsoft in Sachen Spielen auf der E3 mehr vorzuzeigen als Sony - was vermutlich auch an der früheren Veröffentlichung von Entwicklerkits lag -, House prognostiziert aber ein "großartiges Launch-Line-up", von dem man bereits auf der kommenden Gamescom mehr sehen dürfte. Spielefreunde dürfen sich auch 2014 auf genügend Unterhaltung freuen. "Wir haben in etwa 140 Titel aktiv in Entwicklung für das erste Jahr nach dem Launch", verrät House.

20 davon werden laut IGN Exklusivtitel von Sony-eigenen Studios sein, 2015 folgen zumindest weitere zehn. Ein Dutzend der kommenden Exklusiv-Games werden neue Franchises einführen. (red, derStandard.at, 5.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die durch Microsoft ausgelöste Verunsicherung der Spieler hat Sony letztlich zu einem triumphanten E3-Auftritt verholfen.

Share if you care.