"Orphan Drug"-Status für Wiener Krebsimpfung

2. Juli 2013, 11:24
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Laut Zwischenauswertung einer noch relativ kleinen Phase-II-Studie, könnte die Krebsvakzine AV0113 die Überlebenszeit von Patienten verlängern

Eine vom Wiener Biotech-Unternehmen Activartis derzeit in Entwicklung stehende Krebsimpfung in Form einer Immuntherapie hat vor kurzem den bevorzugten "Orphan Drug"-Status der US-Arzneimittelbehörde FDA bekommen, teilte das Unternehmen am 1. Juli mit. Das bedeutet eine bevorzugte Stellung in einem allfälligen Zulassungsverfahren.

Die ursprünglich aus dem Wiener St. Anna Kinderspital und dessen Forschungszentrum stammende Vakzine zur Behandlung des malignen Glioms steht in klinischer Erprobung. Laut Zwischenauswertung einer noch relativ kleinen Phase-II-Studie, könnte diese Immuntherapie eventuell die Überlebenszeit von Patienten verlängern.

Mobilisierung des Immunsystems 

Für die Krebsvakzine AV0113 ist der Wiener Wissenschafter Thomas Felzmann federführend. Sie stellt eine individualisierte therapeutische Technologie dar und beruht auf einer in der klinischen Entwicklung neuen patentgeschützten Strategie der Tumorimpfung mit Dendritischen Zellen - das sind zentrale Regulationselemente des Immunsystems. Ziel ist es, das Immunsystem in die Lage zu versetzen, die Krebserkrankung unter Kontrolle zu bringen.

Der Wirkmechanismus ist die Mobilisierung des Immunsystems der Patienten. Tumorzellen sollen anhand ihrer Antigene erkannt und zerstört werden. Als körpereigenes Gewebe werden Tumorzellen vom Immunsystem nämlich nicht als Gefahr betrachtet.

Für die Immuntherapie wird bei der chirurgischen Entfernung des Tumors Krebsgewebe entnommen. Diese Zellen tragen Tumor-Antigene, anhand derer sie vom Immunsystem als feindlich erkannt werden sollen. Um die Immunzellen tatsächlich gegen den Tumor scharf zu machen, wenden die Forscher einen Trick an: Sie geben Lipopolysaccharide dazu - ein Bestandteil der Zellmembran von Bakterien, der dem Immunsystem Gefahr signalisiert. So sollen die Dendritischen Zellen im Körper des Patienten die "Killer T-Zellen" motivieren, die Krebszellen zu bekämpfen.

Verlängerte Lebenszeit

Um die Wirksamkeit von AV0113 zu untersuchen, rekrutierte Activartis bis Anfang diesen Jahres 78 Patienten mit Glioblastoma multiforme für eine Studie der Phase II.

Eine erste Zwischenanalyse, die beim Jahreskongress der amerikanischen Krebsforschungsgesellschaft (AACR/Washington) präsentiert wurde, zeigte laut dem Unternehmen einen viel versprechenden Trend: Der Krebsimpfstoff scheint die Gesamtüberlebenszeit von Gehirntumorpatienten zu verlängern. Das muss sich aber erst noch in größer angelegten Studien bewahrheiten. Die Immuntherapie soll die herkömmliche Behandlung von Gliomen nicht ersetzen, aber einen zusätzlichen, für den Tumor negativen Impuls setzen. (APA/red, 2.7.2013)

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