Proteste gegen Präsident Morsi: Patt in Ägypten

Kommentar30. Juni 2013, 18:47
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In Ägypten kämpfen die Anhänger zweier völlig unterschiedlicher Gesellschaftsentwürfe gegeneinander

Als eine Konfrontation von "Verantwortungslosen" und "Begriffsstutzigen" beschreibt Abdallah Schleifer, Journalist und Universitätsprofessor in Kairo, in "Al-Arabiya Online" die Situation in Ägypten. Keine dieser beiden Fronten wird weichen. Die Bürgerkriegsgefahr ist real - wobei es die Armee wahrscheinlich nicht so weit kommen lassen wird. Wenn sie eingreift, wird sie es jedoch für keine der beiden Seiten tun, sondern für sich selbst.

Schleifer macht darauf aufmerksam, dass es auch in anderen Ländern durchaus üblich ist, dass ein Präsident während seiner Amtszeit die Mehrheit verliert - dennoch hat das Wahlvolk in der Regel bis zu den nächsten Wahlen zu warten, bis es ihn heimschicken kann. Das ist einer der Gründe, warum das Lager von Mohammed Morsi nicht aufgeben wird, denn es pocht - mit einigem Recht - auf dessen demokratische Legitimierung. Die andere Seite sagt - ebenfalls mit Recht -, dass Morsi vielleicht demokratisch gewählt, aber nie in der Demokratie angekommen ist und deshalb die Legitimität verloren hat und gehen muss.

Die Lager dürften ungefähr gleich stark sein. Der mediokre Morsi ist aber nur ein Aufhänger: Es geht um unterschiedliche Gesellschaftsentwürfe. Der Bewegung Tamarod gelingt momentan, was den soignierten älteren Herren von der Nationalen Rettungsfront nicht gelungen ist: die Opposition zu mobilisieren und zu vereinen. Die Millionen Islamisten wegzaubern kann Tamarod aber auch nicht. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 1.7.2013)

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