Australien: Schwere Blessuren

Kommentar27. Juni 2013, 19:10
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Fünf Akte Intrigen über Intrigen, und am Ende finden sich nur noch Leichen auf der Bühne

Es ist beinahe wie in einem Shakespeare-Stück: Fünf Akte Intrigen über Intrigen, und am Ende finden sich nur noch Leichen auf der Bühne. In der australischen Labor-Partei mag der vorerst letzte Vorhang im Machtkampf zwischen Julia Gillard und Kevin Rudd zwar gefallen sein, aber beide Hauptdarsteller (und die Partei selbst) haben schwere politische Blessuren davongetragen. Die Wahl im September ist - glaubt man den Umfragen - bereits verloren. Und wenn es ganz schlecht läuft, könnte Rudd sogar seine erste Vertrauensabstimmung verlieren und bereits im August gewählt werden.

Der frühere Diplomat, ein hochfliegender Intellektueller mit ausgezeichneten Mandarin-Sprachkenntnissen, hat bereits einmal im Amt des Premierministers gezeigt, dass er brillant die geostrategische Lage im Pazifik analysieren und die Versuche der Chinesen, als Hegemonialmacht aufzutreten, skizzieren kann. Bei den einfachen Australiern allerdings ist er damit nicht unbedingt angekommen. In der kurzen Zeit des Wahlkampfes wird sich zeigen, ob es diesmal besser gelingt, die Wähler anzusprechen.

Die Oppositionskoalition unter Tony Abbott dagegen hat bereits 2010 die gleiche Mandatszahl wie Labor im Parlament erreicht. Unabhängige Abgeordnete entschieden dann zugunsten einer neuerlichen Labor-Regierung. In der neuen Lage könnte das Ergebnis diesmal klarer zugunsten des Mitte-rechts-Lagers ausfallen. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 28.6.2013)

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