Theatralische Erregung um Volksbühnen-Stück

26. Juni 2013, 16:44
2 Postings

Intendant Castorf kritisierte Regisseur Vegard Vinge, der mit einem "Amoklauf" reagierte

Berlin -  Der Intendant der Berliner Volksbühne, Frank Castorf, hat dem norwegischen Regisseur Vegard Vinge in einem Brief vorgeworfen, in Vorstellungen des Stücks "12-Spartenhaus" das Publikum mit einer "stinkenden Masse" beworfen zu haben. Vinge ist für Experimente bekannt, schon 2012 hatte er bei einer Inszenierung mit Theaterkot provoziert. Schwerwiegender soll nach Angaben der Bühne gewesen sein, dass er einen Pulver-Feuerlöscher genutzt habe. "Man darf Zuschauer nicht gefährden", sagte eine Theatersprecherin. Der Bühnenmeister sei nach dem Vorfall krankgeschrieben gewesen.

Vinges Reaktion: Er las Castorfs Brief bei der Vorstellung am Sonntag in der Prater-Bühne vor und inszenierte seine Kündigung. So ist es Kritiken zu entnehmen, die die Volksbühne inhaltlich bestätigte. Im Theaterportal "Nachtkritik.de" wurde Vinges "Amoklauf" so beschrieben: "Er fordert freien Eintritt ins 12-Spartenhaus, beschmiert die hinlänglich bekannte Vinge-Maske mit eigenem Kot, turnt Cola-trinkend auf dem Dach des Praters herum ('this is dangerous!'), pinkelt sich - eine altbekannte und immer wieder gerne gesehene Nummer - in den Mund und wedelt an einem der Fenster zur Kastanienallee mit einem mit Fäkalien gestalteten Plakat."

Interviews gibt der Regisseur laut Volksbühne nicht. Er wolle sich über seine Arbeit erklären. "Wir stehen zu diesem Künstler", betonte die Theatersprecherin. Der Brief Castorfs und dessen Hinweis auf mögliche arbeitsrechtliche Konsequenzen seien ein normaler interner Vorgang gewesen, den Vinge künstlerisch verarbeitet habe. Die nächste Vorstellung soll wie geplant am Donnerstag stattfinden.

Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdsten waren 2012 mit "John Gabriel Borkman" zum Berliner Theatertreffen geladen. Der Ibsen-Marathon dauerte bis kurz nach vier Uhr morgens. Ein Spektakel, bei dem der Regisseur und Performer die erstaunlich gelassenen Zuschauer mit aggressiven, Theatergrenzen überschreitenden Aktionen provozierte. Castorf ist derzeit in Bayreuth, wo er für seine Inszenierung von Wagners "Ring" probt.  (APA, 26.6.2013)

Share if you care.