Dutzende Tote in chinesischer Unruheregion

26. Juni 2013, 18:23
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Polizei spricht von Unruhestiftern - Uiguren-Verband beklagt Unterdrückung

Urumqi - Bei blutigen Ausschreitungen in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina sind 27 Menschen getötet worden. Chinas Staatsmedien sprachen von Angriffen einer "messerschwingenden Meute" auf Polizeiwachen, Amtsgebäude und eine Baustelle in Lukqun nahe der Oasenstadt Turpan. Die Polizei habe das Feuer eröffnet und "zehn Unruhestifter" erschossen, nachdem diese zuvor mindestens 17 Menschen getötet hätten. Unter den Toten seien auch neun Polizisten und Wachleute. Drei Angreifer seien festgenommen worden. Nach anderen werde gefahndet.

Staatsmedien machten keine Angaben zu ihrer Identität. Doch kommt es in Xinjiang immer wieder zu blutigen Konflikten zwischen Angehörigen der turksprachigen muslimischen Minderheit der Uiguren und Han-Chinesen. Der Sprecher der Exiluiguren, Dilxat Rexit, machte "anhaltende Unterdrückung" für die Gewalt verantwortlich. Die Weltgemeinschaft solle einschreiten und China auffordern, "alle Provokationen einzustellen", hieß es in München, wo der Weltkongress der Uiguren beheimatet ist.

Fotos im chinesischen Internet, deren Herkunft nicht geklärt werden konnte, zeigten verbrannte Polizeiwagen und drei Tote, die wie gewöhnliche Bürger aussahen. Die chinesische Zensur löschte die Bilder schnell wieder. Die Angreifer hätten "Menschen niedergestochen und Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt", erklärten Vertreter der Kommunistischen Partei laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua. Chinesischsprachige Staatsmedien schrieben von "Terroristen", was in der englischen Nachrichtenfassung zunächst nicht auftauchte.

Seit den blutigen Unruhen 2009, als in Urumqi rund 200 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Uiguren und Chinesen ums Leben kamen, gibt es immer wieder Ausbrüche von Gewalt. Erst am 24. April hatte es bei Zusammenstößen zwischen Uiguren und der Polizei nach amtlichen Angaben 21 Tote gegeben. Xinjiang ist schon lange ein Konfliktherd. Die Uiguren lehnen sich gegen die chinesische Fremdherrschaft auf. Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 hatte sich die kommunistische Führung die Region einverleibt. (red, DER STANDARD, 27.6.2013)

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