Brustkrebs-Gen: Beratungs- und Diagnoseangebot

26. Juni 2013, 15:37
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Die Österreichische Gesellschaft für Senologie informierte über das kostenlose Diagnose-, Früherkennungs- und Behandlungsprogramm für Betroffene

Wien - In Österreich leben schätzungsweise 27.000 bis 30.000 Frauen, die genetisch bedingt ein stark erhöhtes Risiko für Brust- und/oder Eierstockkrebs haben. Präventive Operationen sind aber nur ein Teil der Optionen, betonten am Mittwoch Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Senologie (Brustgesundheit) bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Eine Frau mit Genveränderungen im BRCA1-/BRCA2-Gen hat eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken. Das Risiko beträgt 85 bis 87 Prozent. 50 bis 65 Prozent dieser Frauen erkranken an Eierstockkrebs", so Christian Singer, Brustkrebsspezialist an der Universitäts-Frauenklinik der MedUni Wien am AKH.

Diagnose und Behandlung

In Österreich bieten insgesamt 60 Stellen ein kostenloses Diagnose-, Früherkennungs- und Behandlungsprogramm für die Betroffenen an. Wenn etwa eine weibliche Verwandte einer Frau vor dem 35. Lebensjahr an einem Mammakarzinom erkrankt ist, zwei vor dem 50. Lebensjahr, drei vor dem 60. Lebensjahr oder auch nach anderen Kriterien ein mögliches Risiko bestehen könnte - beispielsweise ein naher männlicher Verwandter mit Brustkrebs -, ist nach eingehender Beratung ein kostenloser Gentest möglich.

"Die Betroffene muss zunächst einmal wissen, ob sie wirklich den Test durchführen lassen will oder nicht. Denn das Testergebnis lässt sich dann nicht mehr ungeschehen machen", gibt die Psychoonkologin Gabriele Traun-Vogt zu bedenken.

Sollte der BRCA1/BRCA2-Test positiv sein, bieten sich grundsätzlich folgende Möglichkeiten an: die engmaschige Früherkennung allfälliger entstehender Tumore (was bei Eierstockkrebs aber nur sehr unzureichend möglich ist), die Entfernung der Eierstöcke und/oder Entfernung des Brustgewebes. In Österreich - so Christian Singer - entscheiden sich etwa die Hälfte der Frauen mit BRCA-Risiko für die Entfernung der Eierstöcke, wodurch die Gefährdung durch Ovarialkarzinome de facto beseitigt und auch das Brustkrebsrisiko auf die Hälfte reduziert wird. Etwa 20 Prozent entschließen sich zur Mastektomie.

Maßnahmen zur Früherkennung

Die Früherkennung umfasst als mögliche Alternative folgende Punkte: Jährliche gynäkologische und Brustuntersuchung ab dem 18. Lebensjahr, jährliche Brust-Magnetresonanzuntersuchung ab dem 25. Lebensjahr, zusätzliche Mammografie, Vaginal-Ultraschalluntersuchung und Laboruntersuchung auf Tumormarker ab dem 35. Lebensjahr.

Laut den Experten ist aber eine individuelle Anpassung der Strategie entscheidend, die sich am Lebensalter und der Lebenssituation orientiert: So werden Betroffene zunächst einmal engmaschig im Rahmen des Früherkennungsprogramms überwacht. Mit 40, wenn das Ovarialkarzinomrisiko ansteigt, kann eine Entfernung der Eierstöcke angedacht werden.

Besonders die Mastektomie - also die Entfernung des Brustdrüsengewebes - ist ein extrem belastenderer Eingriff. Letztendlich müssen Frauen - nach vorhergehender intensiven Beratung - die Entscheidung für oder gegen einen prophylaktischen Eingriff selbstständig und ohne falsche Beeinflussung durch den Arzt treffen, so die Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Senologie. (APA/red, derStandard.at, 26.6.2013)

 

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