Exoplaneten-Sucher wird über seiner Heimatwelt verglühen

26. Juni 2013, 14:37
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Weltraumteleskop COROT überträgt seit November keine Daten mehr - Mission erreichte aber unerwartete Lebensdauer

Graz - Sein Name wird in Erinnerung bleiben: Eine ganze Reihe Sterne und Planeten trägt heute den Namensteil "COROT", benannt nach dem europäischen Weltraumteleskop, das sie entdeckt hat und das nun abgeschaltet wird. Den Planetenjägern kommt damit eines ihrer wichtigsten Werkzeuge abhanden - aber es hat mehr geleistet als erwartet.

Während seiner Betriebszeit war COROT sehr hoher Strahlung ausgesetzt. Dass er im November 2012 aufgehört hat Daten zu übertragen, war möglicherweise die Folge dieses Dauerbeschusses durch hochenergetische Teilchen, hieß es vonseiten des Grazer Instituts für Weltraumforschung. Nun werde COROT in einen niedrigeren Orbit gebracht, um schließlich beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu verglühen.

Mission mit österreichischer Beteiligung

Seit sechs Jahren - und damit doppelt so lange wie ursprünglich vorgesehen - ist der 4,2 Meter große Satellit "COnvection, ROtation et Transits planétaires" mit seinem 27-Zentimeter-Teleskop auf der Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Im Zuge der Mission der französischen Raumfahrtagentur CNES unter Beteiligung Österreichs, Belgiens, Deutschlands, Spaniens, Brasiliens sowie der Europäischen Weltraumorganisation ESA hat das Satellitenteleskop auf einer Umlaufbahn in 900 Kilometer Höhe 32 Himmelskörper erstmals erspäht.

Das Grazer Institut für Weltraumforschung hat gemeinsam mit dem Institut für Astronomie der Universität Wien ein Instrument an Bord des Satelliten entwickelt und bereitet nun ein ähnliches Rechnersystem für die ESA-Mission CHEOPS vor.  Die österreichischen Wissenschafter haben die sogenannten Boitiers Extracteur (BEX) für den Satelliten entwickelt. Diese Elektronikeinheit filtert mithilfe spezieller Prozessoren die wissenschaftlich interessante Information aus den umfangreichen Bilddaten heraus, nur mehr diese Daten müssen dann zur Erde gesendet werden.

Bei der Suche nach Exoplaneten ging COROT nach der sogenannten Transitmethode vor: Planeten können identifiziert werden, wenn sie vor ihren hell strahlenden Muttersternen vorbeifliegen und kurzfristig einen Teil verdunkeln. Ist mithilfe von COROT einmal ein Kandidat ausgemacht, richten sich auch irdische Teleskope auf den Himmelskörper und registrieren jedes noch so leichte Zittern des Sterns, verursacht durch die Schwerkraft des umkreisenden Planeten. Aus diesen Daten lassen sich dann nicht nur Umlaufzeiten, sondern auch Entfernungen, Größen und Massen von fernen Planeten errechnen.

Planetensuche wird weitergehen

Der Ausfall von COROT ist aber nicht der einzige Rückschlag für die Suche nach Exoplaneten. "Da auch die amerikanische Sonde Kepler inzwischen ihren Betrieb einstellen musste, ist momentan leider kein satellitengestütztes Exoplaneten-Teleskop im Einsatz", bedauert der für COROT zuständige Grazer Gruppenleiter Manfred Steller. Die nächste Möglichkeit, Exoplaneten mit Satellitenteleskopen zu entdecken, werde es erst 2017 geben, so Steller: Dann soll der unter der Leitung der Universität Bern entwickelte europäische Kleinsatellit CHEOPS ("CHaracterising ExOPlanets Satellite") ins All geschickt werden.

CHEOPS soll aus 800 Kilometer Höhe etwa 500 bereits entdeckte helle Sterne beobachten und ihre Planeten charakterisieren. In Graz wird einer der beiden Bordrechner gebaut. Ebenfalls 2017 will die NASA TESS ("Transiting Exoplanet Survey Satellite") starten, der ebenfalls das Weltall nach Exoplaneten absuchen will. (APA/red, derStandard.at, 26. 6. 2013)

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    Das Weltraumteleskop COROT sieht einem feurigen Ende entgegen.

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