Das Virus, das vor 300 Jahren aus dem Dschungel kam

22. Juni 2013, 17:58
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Untersuchung von Moskitos ermöglichte es Forschern, die Ausbreitung der St.-Louis-Enzephalitis zurückzuverfolgen

Bonn - Die sogenannte St.-Louis-Enzephalitis, eine Viruserkrankung, ist vor allem in Nord-, Mittel- und Südamerika verbreitet. Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen und Unwohlsein. Es kann sich daraus allerdings auch eine Hirnhautentzündung entwickeln, die vor allem bei älteren Menschen in 5 bis 20 Prozent der Fälle tödlich verläuft.

Erstmals wurde der Erreger 1933 in St. Louis beschrieben, daher sein Name. Der Ursprung der seitdem in mehreren Wellen aufgetretenen Epidemie liegt jedoch deutlich weiter zurück, wie die Universität Bonn berichtet. Demnach wurde das Virus während der postkolumbischen Kolonialzeit vor rund 330 Jahren durch das Eindringen des Menschen in die Urwälder Südmexikos und Panamas freigesetzt. Über die Ergebnisse berichtet das Journal der American Society for Microbiology "mBio".

Auf Mückenfang

"Der Ursprung des Virus, und wie es sich geografisch ausgebreitet hat, blieben bislang im Dunkeln", sagt Sandra Junglen vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn. Um das Rätsel zu lösen, kooperierten Bonner Forscher mit Kollegen des Robert-Koch-Instituts sowie aus den USA und Mexiko. Sie fingen im mexikanischen Palenque-Nationalpark insgesamt 3.491 Stechmücken – im Regenwald, in für landwirtschaftliche Zwecke gerodeten Flächen und in der Nähe von Dörfern.

"Dadurch gewannen wir verschiedene Proben – von vom Menschen weitgehend unberührten Gebieten bis hin zu anthropogen stark geprägten Zonen", berichtet Studienerstautorin Anne Kopp. Anschließend untersuchten die Wissenschafter, ob die Stechmücken mit dem Virus infiziert waren, was bei dreien zu einem positiven Ergebnis führte.

Ursprung ausfindig gemacht

Anhand dieser Exemplare führten die Forscher Verwandtschaftsnachweise durch und verglichen die Ergebnisse mit anderen in Nord- und Mittelamerika aufgetretenen Stämmen des St.-Louis-Enzephalitis-Virus. Es zeigte sich, dass es sich bei den im Palenque-Nationalpark gefundenen Viren um eine stark unterschiedliche Linie handelt. Mit entsprechenden Computermodellen rekonstruierten die Wissenschafter den Ursprung sowie die zeitliche und geografische Ausbreitung des Virus.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass der gemeinsame Vorfahre des Virus vor rund 330 Jahren im Gebiet von Südmexiko und Panama freigesetzt wurde. Als Menschen im 17. Jahrhundert verstärkt in die Regenwälder vordrangen, muss es zu ersten Infektionen gekommen sein. Das Virus wurde nach den Modellrechnungen Anfang des 20. Jahrhunderts in New Orleans eingeschleppt und hat sich von dort entlang des Mississippi Richtung St. Louis ausgebreitet. Nach Nordamerika eingeschleppt wurde das Virus vermutlich durch den Schiffverkehr während der Kolonialzeit. (APA/red, derStandard.at, 22. 6. 2013)

 

  • Moskitofang im mexikanischen Palenque-Nationalpark war Teil der Forschungsarbeit, um den Ursprung des St.-Louis-Enzephalitis-Virus herauszufinden.
    foto: sandra junglen/ukb

    Moskitofang im mexikanischen Palenque-Nationalpark war Teil der Forschungsarbeit, um den Ursprung des St.-Louis-Enzephalitis-Virus herauszufinden.

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