Mercedes und die schwarzen Helme

20. Juni 2013, 18:39
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In der Reifen-Affäre der Formel 1 wird am Freitag Urteil verkündet

Paris - Bis zum späten Nachmittag wurde an der Place de la Concorde diskutiert, ein Urteil wurde in der Reifen-Affäre am Donnerstag aber noch nicht verkündet. In der Anhörung vor dem Internationalen Tribunal der Fia in Paris hat Mercedes seine Rolle als "Dienstleister" bezeichnet, man habe die Tests nicht selbst "durchgeführt", damit liege kein Regelbruch vor. Vertreter des Weltverbandes hätten diese Sichtweise gestützt. Der Weltverband bestritt, die Erlaubnis erteilt zu haben und glaubt, dass Mercedes Vorteile aus dem Test gezogen hat. Ein Urteil wird am Freitag verkündet.

"Wir haben alles getan, um uns abzusichern, damit es kein Regelbruch ist" , sagte Mercedes-Anwalt Paul Harris in seinem Schlussplädoyer. "Wir haben Fia-Renndirektor Charlie Whiting zweimal angerufen und nach seiner Zustimmung gefragt, die hat er uns gegeben. Wir hätten sonst nicht weitergemacht."

Außergerichtlicher Deal geplatzt

Welches Urteil das Tribunal fällen wird, war nach Tag eins der Anhörung weiter unklar, harte Strafen sind nicht ausgeschlossen. Mercedes- Aufsichtsrat Niki Lauda hatte am Donnerstag eingeräumt, dass er den Prozess bis zuletzt unbedingt vermeiden wollte. "Red Bull, das mit Ferrari gegen uns den Protest eingelegt hat, war wie Bernie Ecclestone mit einem außergerichtlichen Deal einverstanden. Dazu hätte es einen Brief von Mercedes an Fia-Boss Jean Todt gebraucht. Doch unsere Chefs Toto Wolff und Ross Brawn lehnten ihn ab, jetzt müssen sie eben damit leben", sagte Lauda.

"Der Begriff Dienstleistung", sagte Teamchef Brawn nun, beschreibe die Rolle der Silberpfeile gut. "Daten haben wir nur genutzt, um das Auto während des Tests zu bedienen, ich wüsste nicht, wie wir diese in der Zukunft nutzen sollten." Dass man an drei Tagen Erfahrungen auf der Strecke habe sammeln können, "war bei einem solchen Test nicht zu vermeiden", räumte Brawn ein.

Es sei aber wichtig, die genaue Formulierung im Reglement zu beachten, sagte Mercedes-Anwalt Paul Harris. Tests sind als "Fahrten, durchgeführt von einem Wettbewerber" definiert. "Das war kein Test, 'durchgeführt' von Mercedes. Es ist unzweifelhaft, dass der Test von Pirelli durchgeführt wurde. Sie haben uns gesagt, was zu tun ist." Auch Whiting sei dieser Ansicht gewesen.

Rosberg, Hamilton und die schwarzen Helme

Die Fia-Ankläger sahen die Verteidigungsstrategie dagegen nicht als ausreichend an. "Auch ein Dienstleister ist für sich selbst verantwortlich, und als solcher hat Mercedes den Test ebenfalls ' durchgeführt' und damit die Regeln gebrochen", sagte Fia-Anwalt Mark Howard. An den Fakten gibt es laut Howard keine Zweifel. Mercedes hatte vom 15. bis 17. Mai mit den aktuellen Autos und den Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton Tests mit Pirelli durchgeführt. Die Fahrer trugen schwarze Helme, um von außen nicht erkennbar zu sein. "Das kann rückblickend als falsch angesehen werden", räumte Harris ein: "Wir bereuen es und entschuldigen uns dafür." Das Reglement der Fia verbietet Tests wie diese. (sid, red, DER STANDARD, 21.6.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Reifen, der Mercedes und Nico Rosberg im Cockpit.

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