Artenverlust durch Pestizide

17. Juni 2013, 21:06
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Neue Untersuchung mit ernüchterndem Ergebnis: 42 Prozent Rückgang bei Wirbellosen an Fließgewässern

Leipzig - Pestizide stehen nicht nur im Verdacht, den Bienenpopulationen gehörig zuzusetzen. Deutsche und australische Forscher um Mikhail A. Beketova vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig haben untersucht, welche Auswirkungen die Unkrautvertilger auf die Biodiversität um fließende Gewässer haben. Auch hier sind die Ergebnisse ernüchternd.

Obwohl landwirtschaftliche Pestizide ökotoxikologisch gut erforscht und relativ streng reguliert sind, sei nicht bekannt, ob und inwieweit regionale Artenverluste auf sie zurückgehen, schreiben die Forscher im Fachblatt "PNAS". Sie eruierten den Einfluss der Pflanzenschutzmittel auf wirbellose Lebewesen wie Libellen, Köcherfliegen und Käfer, die an Bächen und Flüssen in Deutschland und Frankreich und Southern Victoria in Australien leben.

Signifikante Verluste

Die regionalen Lebensräume teilten die Wissenschafter nach dem Ausmaß der Pestizidbelastung in nicht, leicht und schwer kontaminierte Orte ein. Dabei zeigte sich, dass sowohl in Australien als auch in Europa signifikante Verluste der Artenvielfalt in kontaminierten Gebieten zu verzeichnen sind. In Europa war der Unterschied zwischen allen drei Kontaminationsgruppen nicht nur bei der Vielfalt der Spezies, sondern auch bei jener von Arten-Familien signifikant. Zwischen nicht und schwer kontaminierten Gebieten betrug der Verlust in Europa bis zu 42 Prozent. Der Gesamtverlust sei auf die Dezimierung jener Arten zurückführbar, die als sehr empfindlich gegenüber Pestiziden bekannt sind.

Die Forscher betonen, dass die Pestizidkonzentrationen, bei denen diese Auswirkungen festgestellt wurden, von den europäischen Gesetzgebern als umweltschonend eingestuft sind. Die aktuellen Gesetzesnormen reichten demnach vielleicht nicht aus, die regionale Vielfalt der Wirbellosen ausreichend zu schützen. (pum, DER STANDARD, 18.6.2013)

  • Forscher haben den Einfluss von Pestiziden auf wirbellose Lebewesen wie Libellen untersucht - mit ernüchterndem Ergebnis.
    foto: mikhail a. beketov

    Forscher haben den Einfluss von Pestiziden auf wirbellose Lebewesen wie Libellen untersucht - mit ernüchterndem Ergebnis.

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