Mit einem Schritt auf 10 km/h

12. Juni 2013, 19:05
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Forscher: Nicht der schnelle Lauf, sondern Beschleunigung und Wendigkeit sind für den Jagderfolg von Geparden verantwortlich

Wendigkeit und Beschleunigung von Geparden erforscht London - Geparden (Acinonyx jubatus) sind als schnellste Landtiere der Welt bekannt. Im vollen Lauf können sie Höchstgeschwindigkeiten von deutlich über 100 km/h erreichen. Wissenschafter um Alan Wilson vom Royal Veterinary College der University of London haben nun in einer in "Nature" publizierten Studie das Laufverhalten der Tiere untersucht und kamen zu der Erkenntnis, dass nicht der schnelle Lauf, sondern die außergewöhnliche Wendigkeit - rapide Beschleunigung und Richtungsänderungen - für den Jagderfolg der Tiere verantwortlich sind.

Bisher seien die meisten Geschwindigkeitsmessungen bei Geparden gemacht worden, die in einem geradlinigen, gestreckten Lauf über offenes Terrain rasten. In den meisten Fällen erreichen Geparden die Höchstgeschwindigkeit, zu der sie fähig sind, aber nicht, so die Forscher. Um umfassende Daten über die natürliche Bewegungsart der Katzen zu bekommen, haben Wilson und seine Kollegen mehreren Tieren ein spezielles GPS-Halsband verpasst, das Ort und Geschwindigkeit der Tiere übermittelte. Insgesamt analysierten sie 367 Läufe von fünf Tieren. Auch hier wurde zwar eine Höchstgeschwindigkeit von 93 km/h gemessen. Im Großteil der Fälle blieben die Tiere aber unter 72 km/h, der Durchschnitt lag bei nur 50 km/h. Die mittlere Laufdistanz betrug nur 173 Meter. Pferde schaffen knapp 70 km/h.

Beschleunigung und Schnelligkeit bei Richtungsänderungen überschritten allerdings jene, die von anderen Landsäugetieren bekannt sind. Geparden können in nur einem Schritt auf drei Meter pro Sekunde (etwa 11 km/h) beschleunigen, beobachteten die Forscher. Auch die errechnete Muskelkraft bei der Beschleunigung ist einzigartig und etwa vier Mal so groß wie jene des menschlichen Weltmeisters Usain Bolt, als dieser den Weltrekord im 100-Meter-Lauf aufgestellt hat. (pum, DER STANDARD, 13.6.2013)

 

  • Forscher verpassten Geparden ein spezielles Halsband, um ihre natürliche Bewegungsart zu verfolgen.
    foto: structure & motion lab, rvc

    Forscher verpassten Geparden ein spezielles Halsband, um ihre natürliche Bewegungsart zu verfolgen.

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