Zerfahrenheit, Stabilisierung und das Glück der kollektiv Klugen

9. Juni 2013, 19:37
42 Postings

Die Analyse des Passnetzwerks im Spiel gegen Schweden entpuppt sich als Umspringbild. In seiner dezentralen Ausformung spiegeln sich die "hektomorphe" Zerfahrenheit und die Fähigkeit zur Stabilisierung übers Kollektiv. Österreichs Überlegenheit äußerte sich über eine reaktive Mischung aus destruktiven und konstruktiven Strategien.

Nach einer schwachen Eröffnungsviertelstunde gewannen die Gastgeber die Kontrolle über das Geschehen und setzten ein ums andere Mal empfindliche Stiche in und zwischen die Türme der schwedischen Verteidigungsreihe. Besonders Harnik erwies sich quasi als Wickie unter ebenso starken wie schwerfälligen Männern. So gut wie jedes Mal, wenn er mit vertikalem Passwerk versorgt wurde, hatten die Schweden das Nachsehen. Für Verstörung sorgte vor allem sein Rollenwechsel zwischen rechtem Flügel, hängender Spitze im Zentrum und Ausflügen auf die linke Seite.

Nicht zuletzt an Harnik, dem hinter beziehungsweise neben ihm agierenden Garics und Baumgartlinger lassen sich einige Spezifika der Entwicklung unter Coach Koller festmachen. Es gelingt dem Team immer besser, Defizite in Vorteile zu verwandeln. Harnik kompensierte zu Beginn die Schwierigkeiten von Alaba und Junuzovic, in einen spielprägenden Rhythmus zu finden, und wirkte im Verbund mit Baumgartlinger stabilisierend ins Zentrum, das schließlich von Minute zu Minute mehr Fahrt aufnahm. Garics wiederum schaffte das Kunststück, bei seinen Vorstößen beinahe jede Flanke ins Nirgendwo zu semmeln und dem System trotzdem keinen nachhaltigen Schaden zuzufügen.

Statistisch gesehen erwies er sich sogar als Schlüsselspieler und kompensierte seine Schwächen mit einem enormen Arbeitspensum am Flügel. Das Team hat mit Sicherheit schon souveräner als gegen Schweden agiert, aber selten zuvor taktisch und kollektiv klüger und am Ende auch glücklicher. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD, 10.6.2013)

DIE MEISTEN PÄSSE / PASSVERSUCHE

1. Fuchs-Arnautovic 17

2. Garics-Baumgartlinger 14

2. Baumgartlinger-Garics 14

4. Garics-Harnik 13

5. Alaba-Arnautovic 12

5. Alaba-Harnik 12

7. Arnautovic-Fuchs 11

8. Harnik-Garics 10

9. Almer-Janko 9

9. Baumgartlinger-Harnik 9

11. Harnik-Alaba 8

11. Fuchs-Alaba 8

11. Garics-Junuzovic 8

11. Baumgartlinger-Fuchs 8

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Harnik 71

2. Arnautovic 59

3. Alaba 57

4. Garics 50

5. Junuzovic 49

6. Baumgartlinger 41

7. Fuchs 34

8. Weimann 33

9. Janko 25

10. Dragovic 21

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Garics 76

2. Baumgartlinger 55

3. Fuchs 53

4. Alaba 51

5. Harnik 43

6. Arnautovic 39

7. Dragovic 34

8. Junuzovic 31

9. Almer 28

10. Prödl 21

11. Weimann 16

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Garics 126 ( 76/50)

2. Harnik 114 ( 43/71)

3. Alaba 108 ( 51/57)

4. Arnautovic 98 ( 39/59)

5. Baumgartlinger 96 ( 55/41)

6. Fuchs 87 ( 53/34)

7. Junuzovic 80 ( 31/49)

8. Dragovic 55 ( 34/21)

9. Weimann 49 ( 16/33)

10. Almer 46 ( 28/18)

11. Janko 36 ( 11/25)

12. Prödl 32 ( 21/11)

*gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Baumgartlinger 89,0 (49 von 55)

2. Fuchs 86,7 (46 von 53)

3. Harnik 86,0 (37 von 43)

4. Prödl 85,7 (18 von 21)

5. Garics 82,8 (63 von 76)

6. Arnautovic 82,0 (32 von 39)

7. Junuzovic 77,4 (24 von 31)

8. Dragovic 73,5 (25 von 34)

9. Alaba 70,5 (36 von 51)

10. Almer 64,2 (18 von 28)

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE

1. Garics 16,6

2. Baumgartlinger 12,9

3. Fuchs 12,1

4. Harnik 9,7

5. Alaba 9,5

6. Arnautovic 8,4

7. Dragovic 6,6

8. Junuzovic 6,3

9. Prödl 4,7

9. Almer 4,7

11. Weimann 2,6

11. Pogatetz 2,6

Die Analytiker

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EURO 2008 im Einsatz und analysierte für den Standard auch exklusiv die Spiele der EURO 2012. Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Wolfgang Streibl und Harald Katzmair.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe. (red)

 

  • Artikelbild
    grafik der standard
Share if you care.