Ein Hintertürl zur Hohen Wand

    7. Juni 2013, 16:57
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    Kraxeln statt Klettern: Im nördlichen Bereich ist das beliebte Karstplateau auch mit Kindern relativ gefahrlos zu erklimmen

    Die nördlichen Fluchten der Hohen Wand sind bei weitem nicht so spektakulär wie die Felsszenerien im Süden des Kalkstocks, die Anstiege im Norden galten jedoch schon immer als besonders idyllisch. Die beiden Klausen - die Große und die Kleine mit dem Naturfreundesteig - nehmen dabei eine besondere Stellung ein.

    Den Weg durch die Große Klause - in der einige Felsabbrüche auf Leitern überwunden werden - und durch die Kleine Klause - wo eiserne Klampfen ein paar steile Anstiege erleichtern - empfindet man fast schon als nostalgische Tour. Moderne Klettersteige versuchen einander nämlich mit möglichst vielen Seilbrücken und überhängenden Passagen zu übertreffen, während jene auf der Hohen Wand nur zum Kraxeln animieren, aber keineswegs gefährlich sind.

    Kindertaugliches Kompliment

    In einigen Publikationen werden die Anstiege aus dem Norden als "Hintertürln" bezeichnet, was eher als Kompliment aufzufassen ist, denn solche lässt man sich doch gerne offen - vor allem, wenn man mit Kindern unterwegs ist.

    Im unteren Teil der Großen Klause entdeckt man Reste einer elektrischen Leitung, die einst zur Waldegger Tropfsteinhöhle führte, denn in den späten 1920er-Jahren war diese als Schauhöhle beleuchtet. Sie kann zwar heute noch betreten werden, doch wegen der Fledermäuse sollte man auf Fackeln verzichten.

    Die Wanderung ist nicht besonders anstrengend, aber abwechslungsreich und anregend. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier Voraussetzung, für Kinder empfiehlt sich eine zusätzliche Sicherung mit einem Kurzseil. Bei Nässe ist von der Tour generell abzuraten, dann kann es in den felsigen Passagen sehr rutschig werden.

    Die Route: In Dürnbachtal - südlich von Waldegg - wählt man die blaue Markierung, auf der man in wenigen Minuten die schluchtartige Große Klause erreicht. Es geht zügig aufwärts, Wandstufen werden auf einer Leiter überwunden, schließlich erreicht man die Tropfsteinhöhle, die früher elektrisch beleuchtet war.

    Es folgt die höchste Leiter der Großen Klause, an deren Ende wendet man sich nach rechts aus dem Saugraben hinaus und erreicht - immer noch mit blauer Markierung - im weiteren Anstieg das Waldegger Haus. Gehzeit 1¾ bis 2 Stunden.

    Nun steigt man zur Hohen-Wand-Straße ab und folgt dieser nach Westen. Bei der ersten Linkskurve hält man sich rechts an die gelbe Markierung, die direkt in den Graben und zum Beginn des Naturfreundesteigs führt. Über Leitern und eiserne Trittstufen geht es durch die romantische Enge hinab. Über eine zehn Meter hohe, mit Klampfen gesicherte Steilstufe erreicht man das Ende des Naturfreundesteigs. Gehzeit ab Waldegger Haus eine Stunde.

    Rot markiert ist der weitere Weg, der durch Wald und über freie Flächen zum ehemaligen Gasthaus Naz und dann ein Stück auf der Straße zum Ausgangspunkt führt. Gehzeit ab Ende der Versicherungen eine Stunde. (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 7.6.2013)

    • Durch die Große Klause führt der Waldeggersteig.
      foto: franz drescher

      Durch die Große Klause führt der Waldeggersteig.

    •  Die Kleine Klause (Naturfreundesteig) führt über eine gesicherte Steilstufe.
      foto: franz drescher

       Die Kleine Klause (Naturfreundesteig) führt über eine gesicherte Steilstufe.

    • Gesamtgehzeit 4 Stunden, Höhendifferenz knapp 600 m. Waldegger Haus (Donnerstag Ruhetag; Urlaubssperre vom 4. bis 21. Juli). ÖK25V Blatt 5201-West (Berndorf), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000.
Info: Naturpark Hohe Wand
      grafik: der standard

      Gesamtgehzeit 4 Stunden, Höhendifferenz knapp 600 m. Waldegger Haus (Donnerstag Ruhetag; Urlaubssperre vom 4. bis 21. Juli). ÖK25V Blatt 5201-West (Berndorf), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000.

      Info: Naturpark Hohe Wand

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