Mau-Mau-Aufstand: Folteropfer sollen Entschädigung erhalten

6. Juni 2013, 15:42
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Britische Regierung will 5.000 Überlebenden je 3.000 Euro zahlen - Denkmal für Folteropfer geplant

Die Regierung Großbritanniens beabsichtigt, mehr als 5.000 Überlebenden, die während des kenianischen Mau-Mau-Aufstands in Gefängnissen der damaligen Kolonialmacht gefoltert wurden, Entschädigungen zu zahlen. Außerdem wurde die Errichtung eines Denkmals für die Folteropfer in Kenias Hauptstadt Nairobi beschlossen, berichtet der "Guardian".

Außenminister William Hague präsentierte die Entscheidung am Donnerstag im britischen Parlament. Jeder Überlebende kann laut der Zeitung mit einer Zahlung in Höhe von 2.600 Pfund (mehr als 3.000 Euro) rechnen. Der durchschnittliche Jahresverdienst in Kenia liegt bei 620 Euro.

Britische Schuldeingeständnis

Die Zahlungen werden als Schuldeingeständnis Großbritanniens angesehen und öffnen die Tür für zahlreiche weitere mögliche Kläger. So haben ehemalige Mitglieder der zypriotischen EOKA-Guerilla, die in den 50er Jahren inhaftiert und misshandelt wurden, bereits Klagen angekündigt.

Die Briten hatten den Aufstand der Mau Mau gegen ihre Kolonialherrschaft zwischen 1952 und 1960 mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Mehr als zehntausend Menschen wurden dabei getötet, möglicherweise deutlich mehr.

Über hunderttausend Kenianer wurden interniert und gefoltert, um Geständnisse zu erpressen oder sie dazu zu bringen, der Mau-Mau-Bewegung abzuschwören.

Unter den Opfern der britischen Militärs war damals auch Hussein Onyango Obama, der Großvater des heutigen US-Präsidenten. Seine Witwe berichtete, Soldaten hätten Nadeln unter seine Fingernägel geschoben und seine Hoden zwischen Eisenstangen gequetscht. Außerdem sei er jeden Tag ausgepeitscht worden.

"Wir müssen still sündigen"

Offiziellen Berichten zufolge wurden Verdächtige bei lebendigem Leib auf dem Feuer gebraten. Der britische Generalstaatsanwalt für Kenia, Eric Griffith-Jones, meinte damals, er fühle sich an die Zustände in "Nazi-Deutschland oder dem kommunistischen Russland" erinnert, empfahl aber lediglich, Verdächtige in Zukunft nur noch auf den Oberkörper zu schlagen, wobei aber darauf geachtet werden müsse, keine inneren Verletzungen hervorzurufen. Überhaupt solle man so wenig wie möglich von den Übergriffen reden: "Wenn wir sündigen, müssen wir still sündigen."

Die britische Justiz hatte im Oktober 2012 den Kenianern Paulo Nzili, Wambugu Wa Nyingi und Jane Muthoni Mara, die eigens nach London gereist waren, ein Klagerecht zugesprochen. Nzili wurde von den Briten kastriert, Nyingi neun Jahre ohne Anklageerhebung festgehalten und Mara mit einer Flasche voll kochendem Wasser vergewaltigt.

Jahrelange Verzögerung durch britische Regierung

In dem Rechtsstreit hatten Vertreter der britischen Regierung jahrelang versucht, eine Entscheidung zugunsten der Kläger zu verzögern: Zuerst wurde behauptet, die Regierung Kenias sei als Rechtsnachfolger Großbritanniens für die Menschenrechtsverletzungen verantwortlich.

In der zweiten Verhandlungsrunde bezeichneten die Anwälte die Vorwürfe als gerechtfertigt, argumentierten aber, dass für ein faires Verfahren bereits zu viel Zeit vergangen sei. Das Gericht schloss sich dieser Ansicht nicht an. (bed, derStandard.at, 6.6.2013)

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    Nairobi, 6.6.2013: Mau-Mau-Veteran Mathenge Iregi (81) jubelt angesichts der Entscheidung

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