"Nebenbeschäftigung ausgeschlossen"

5. Juni 2013, 18:33
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Kuratorium will vorzeitige Auflösung des Vertrags mit Pereira

Salzburg - Die außerordentliche Kuratoriumssitzung der Salzburger Festspiele am 11. Juni dürfte länger dauern. Denn es geht nicht nur um den Streitpunkt der letzten Monate, das Budget für 2014, sondern auch um die Zukunft des Festivals: Alexander Pereira, laut Vertrag bis zum Ende des Sommers 2016 Intendant, ist ab 2015 zusätzlich Intendant der Scala, des Mailänder Opernhauses.

Der erste Punkt dürfte relativ schnell abgehandelt werden können. Denn der neuerliche Budgetentwurf trage - im Gegensatz zum vorigen - die Unterschrift der für die Finanzen zuständigen Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Laut Heinz Schaden, dem Bürgermeister von Salzburg, habe ihm die Präsidentin versichert, dass den Vorgaben Genüge getan worden sei. Pereira hatte zuletzt ein Budget über 63 Millionen Euro ohne Reserven und mit einem prognostizierten Abgang von 1,5 Millionen vorgelegt; das Kuratorium aber verlangte eine Reduktion auf 61 Millionen ohne Abgang und mit einer Reserve von zwei Millionen. Wie Pereira das Kunststück gelang, ist derzeit nicht bekannt; er rechnet aber mit noch höheren Sponsoreinnahmen.

Komplizierter werden die Verhandlungen mit Pereira über die Festspielführung. Der Intendant gab bekannt, seinen Vertrag erfüllen zu wollen. Die Planung sei abgeschlossen, er sehe kein Problem, die Scala nebenbei zu programmieren.

Ein Problem stellt allerdings der Dienstvertrag dar, in dem es (siehe Faksimile links) heißt: "Eine Nebenbeschäftigung in der Leitung oder sonstigen gestaltenden Funktion einer Kulturveranstaltung, insbesondere eines Festivals oder einer Opern- oder Konzertinstitution während des Anstellungsverhältnisses ab 1. 10. 2011 ist ausgeschlossen." Ausgenommen war lediglich Pereiras Tätigkeit an der Zürcher Oper.

Schaden sieht "einen Verstoß gegen den Dienstvertrag". Pereira werde mit seiner angekündigten Bitte, den Passus aus dem Vertrag zu streichen, scheitern, so der Bürgermeister. Er und auch Gabi Burgstaller, die scheidende Landeshauptfrau, können sich vorstellen, dass Pereira heuer und 2014 "abwickelt", doch dann müsse ein neuer Intendant die Geschäfte übernehmen. Eine Übergangsintendanz für ein, zwei Jahre wäre, so Schaden, "kein Beinbruch", die Präsidentin und Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf könnten das schon machen.

In jedem Fall müsse, so Burgstaller, der Posten unverzüglich ausgeschrieben werden. Sie kann sich Markus Hinterhäuser, den ehemaligen Konzertchef, gut als Intendanten vorstellen. Dessen Vertrag als neuer Intendant der Wiener Festwochen geht über drei Jahre - und endet im Sommer 2016.  (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 6.6.2013)

Kommentar von Andrea Schurian:
Hausgemachtes Chaos de luxe
Das Salzburger Trauerspiel rund um Alexander Pereira war vorhersehbar

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