Heutige Jäger und Sammler sollen Steinzeit-Kunst interpretieren

9. Juni 2013, 12:42
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Deutsche Wissenschafter wollen mit namibischen San zusammenarbeiten

Köln - Unter dem Namen "Tracking in Caves" wird derzeit ein ungewöhnliches archäologisches Experiment vorbereitet: Mit Hilfe von Jägern aus dem Volk der San wollen Wissenschafter die Hand- und Fußspuren vorzeitlicher Jäger in den Höhlen der Pyrenäen besser verstehen lernen. Unter der Leitung der Wissenschafter Tilman Lenssen-Erz von der Forschungsstelle Afrika der Universität Köln und Andreas Pastoors vom Neanderthal Museum in Mettmann soll im Juni eine eineinhalbmonatige Expedition starten.

In Namibia sollen drei San (früher "Buschleute" genannt) auf ihre Aufgabe vorbereitet werden, ehe es in die Pyrenäen geht. Sie sind hervorragende Fährtenleser, die Details aus den Spuren lesen können, die anderen Betrachtern entgehen. "Die San gehören zu den letzten 'gelernten' Jägern und Sammlern des südlichen Afrika", erklärt Lenssen-Erz. "Die Spuren in den Höhlen werden also von Leuten untersucht, die wirklich etwas davon verstehen." 

Der Kontext

Pastoors möchte mehr Informationen als die Anzahl oder Größe der Spuren. Ihm geht es um den Kontext, in dem die eiszeitlichen Malereien entstanden sind. "Wir erhoffen uns ein Plus an Informationen: Ob die Person in Eile war, ob sie vielleicht krank war oder etwas getragen hat. Mehr Informationen, die Leben in die Abdrücke bringen."

Dahinter steht der Wunsch, die kulturellen Erzeugnisse der damaligen Menschen besser zu verstehen: "Unsere große Aufgabe ist es, die Höhlenkunst zu interpretieren und herauszufinden, was die Menschen in diesen Höhlen mit den Höhlenbildern gemacht haben. Wir müssen alle Informationen über den Kontext dieser Bilder heranziehen."

Mitte Juli will das Team in Köln über die Ergebnisse der Expedition informieren. Schon davor wird ganz zeitgemäß gebloggt und getwittert. (APA/red, derStandard.at, 9. 6. 2013)

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    Ein in den Fels graviertes Nashorn im Wildebeest Kuil Rock Art Centre in Kimberley, Südafrika.

    Die Gravuren sind zwischen mehrere hundert und mehrere tausend Jahre alt. Nun sollen namibische San Aufschluss über europäische Höhlenzeichnungen geben.

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