60 Jahre Regentschaft Elizabeths II. als "freiwillige Unterordnung"

4. Juni 2013, 19:04
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Zum Krönungsjubiläum feierte Großbritannien seine Queen mit einem Dankgottesdienst

Als der Festgottesdienst zum 60. Kronjubiläum von Königin Elisabeth II. zu Ende war, zeigte der Dekan der Westminster Abbey, John Hall, seinen hohen Gästen noch rasch einen hölzernen Schemel. Natürlich handelte es sich nicht um irgendein Möbelstück: Zu besichtigen war Dienstagmittag ein frisch restaurierter Krönungsthron aus dem späten 13. Jahrhundert. Während die 87-Jährige Queen und ihr Gatte Philip (91) den Stuhl nur flüchtig betrachteten, ließ sich Prinz William, 30, alles ganz genau erklären - wohl im Vorgriff auf seine künftige eigene Krönung.

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit richtete sich derweil schon auf die junge Generation: Strahlend schritt neben William dessen Gattin Kate. Das gemeinsame Kind wird nach der Geburt im Juli Platz drei der Thronfolge einnehmen. In der Frühzeit ihrer Schwangerschaft war der Prinzessin wochenlang so elend gewesen, dass sie kurzzeitig sogar im Krankenhaus behandelt werden musste.

Erst unwohl, dann vergnügt

Am Dienstag hingegen machte die Hochschwangere im eleganten Umstandskostüm von Jenny Packham einen vergnügten Eindruck - ebenso wie der Herzog von Edinburgh, der abends zuvor noch wegen Unwohlseins einen Empfang hatte absagen müssen. Bei der Feier für seine Gattin wollte Philip dann nicht fehlen, hatte er doch vor 60 Jahren den Festgottesdienst zur Krönung maßgeblich mitorganisiert.

Im Vergleich zu jenem verregneten Junitag 1953 schien diesmal die Sonne, als sich die 2000 geladenen Gäste auf den Weg in die Königskirche machten. Musik von Hubert Parry und William Walton knüpfte bewusst an den damaligen Festgottesdienst an, ebenso wie die erste Lesung: Premier David Cameron verlas die Passage aus dem Ersten Buch der Könige, in dem Salomos Krönung beschrieben wird.

Trompeten und Bibellesungen

Wie auch im Alten Testament beschrieben, erschallten auch in der Abbey die Trompeten, ehe eine Abordnung normaler Bürger durch die Kirche zog. Sie brachten das Öl zur Salbung der Monarchin zum Altar. Dort kam die Karaffe neben der Krone aus solidem Gold zu stehen, die nach König Edward (1042-1066) benannt, in Wirklichkeit aber erst 352 Jahre alt ist. Zum ersten Mal seit 60 Jahren war das Symbol britischer Herrschaft von seinem Aufbewahrungsort im Tower herbeigeschafft worden.

Öl und Krone kamen diesmal nicht zum Einsatz. Elizabeths Bürde sei ohnehin schon schwer genug, sagte Justin Welby, Erzbischof von Canterbury: "Der Treueschwur der Queen für den Dienst an Gott und ihrem Volk symbolisiert die freiwillige Unterordnung unter eine Autorität, für die unser Land bekannt ist. Immer dann, wenn wir sie nachahmen, sieht Großbritannien am besten aus." (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 5.6.2013)

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    Die Gesellschaft beim Auszug aus Westminster Abbey.

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