Wien: Häfen und Lokale an Neuer Donau überflutet

4. Juni 2013, 12:52
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Laut Prognose werden Werte der Flut von 2002 übertroffen - Pegelstand könnte 8,03 Meter erreichen - Wasser im Hafen Lobau 1,20 Meter über der Kaikante

Die Wassermassen haben nun auch Wien erreicht, wo der Pegelstand der Donau stetig steigt: Laut einer Aussendung der zuständigen Umweltstadträtin Ulli Sima und der Wiener Gewässerabteilung MA 45 am Dienstagvormittag liegt der für Wien relevante Donau-Pegel Korneuburg derzeit bei 7,71 Meter und bei einer Durchflussmenge von 10.000 Kubikmeter pro Sekunde.

Der Höchststand sei aber laut Prognosen noch nicht erreicht. Die MA 45 rechnet daher damit, dass die Werte der Flut von 2002 in den nächsten 24 bis 48 Stunden überschritten werden. Die Häfen Lobau und Albern sowie die Copa Cagrana und die Sunken City an der Neuen Donau stehen bereits unter Wasser.

Hochwasserschutz bewältigt bis zu 14.000 Kubikmeter/Sekunde

Bei der Flut von 2002 wurde in der Donau eine Durchflussmenge von 10.300 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Den Prognosen zufolge könnte der Donau-Pegel Korneuburg 8,03 Meter und eine Durchflussmenge von 10.900 Kubikmeter pro Sekunde erreichen, erklärte ein Sprecher der MA 45. Bewältigen könne der Hochwasserschutz in Wien bis zu 14.000 Kubikmeter pro Sekunde. Zum Vergleich: Bei Normalwasserstand beträgt die Durchflussmenge 2.000 Kubikmeter pro Sekunde.

Für den Hochwasserschutz wurde in Wien das sogenannte Entlastungsgerinne - die Neue Donau - errichtet. Der Aushub wurde aufgeschüttet und zur Donauinsel umfunktioniert. Die Arbeiten dauerten von 1972 bis 1987. Weitere Vorsorgearbeiten wie die Sanierung des Marchfeld-Schutzdamms und die Erhöhung des Hafenumschließungsdamms Lobau folgten in den vergangenen Jahren.

Überschwemmte Gastronomiebetriebe an der Copa Cagrana am Entlastungsgerinne der Donau

Keine größeren Uberschwemmungen

Größere Überschwemmungen gebe es bis dato noch nicht, berichtete der MA-45-Sprecher. Die Treppelwege auf der Donauinsel seien überflutet, die Gastromeilen Copa Cagrana (auf der "Festlandseite") und Sunken City auf der Donauinsel stehen unter Wasser. Auch der Donaukanal sei zum Teil über die Ufer getreten, etwa in einer A4-Unterführung stadteinwärts im Bereich der Stadionbrücke. Diese musste gesperrt werden. Die Lokale am Donaukanal seien momentan nicht betroffen, hier befinde sich das Wasser noch unterhalb des Kais. Das 25-Jahre-Donauinsel-Grillfest am Wochenende wurde abgesagt.

Überflutet sind auch zwei der drei Häfen der Bundeshauptstadt. In Albern stehe das Wasser 30 bis 40 Zentimeter hoch, in der Lobau 1,20 Meter über der Kaikante, hieß es beim Hafen Wien. Im Ölhafen Lobau seien sämtliche Anlagen und Speicher zwar hochwassersicher errichtet worden, doch in so einem Fall nicht nutzbar. Aus diesem Grund seien die dort befindlichen Anlagen vorerst bis Donnerstag stillgelegt worden, teilte der Hafen Wien mit.

Eine überschwemmte Unterführung in Wien an der Stadteinfahrt der A4 von Flughafen.

Hafen Freudenau nicht überflutet

In Albern wurden die großen Getreidespeicher geschlossen und abgedichtet. Zudem verfügt jeder Speicher über Pumpwerke im Keller, diese sind bereits im Einsatz. In den Kellerbereichen der Speicheranlagen muss das einströmende Wasser abgepumpt werden, damit die dort befindlichen Antriebsmotoren der Förderbänder für das Getreide nicht überflutet werden.

Der Hafen Freudenau, in dem sich derzeit sechs Schiffe befinden, ist nicht überflutet, da das 13,5 Meter hohe und 27 Meter breite Hafentor geschlossen wurde. Damit sei das Areal vor Hochwasser geschützt, hieß es. (APA/red, derStandard.at, 4.6.2013)

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