Zwei Tote und drei Vermisste in Tschechien

2. Juni 2013, 14:17
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Notstand in Tschechien - Katastrophenalarm auch in Deutschland - Spindelegger spricht sich mit Ressortkollegen im benachbarten Ausland ab

Berlin/Prag - In Tschechien hat sich die Hochwasserlage dramatisch zugespitzt. Starker Dauerregen ließ am Sonntag Bäche und Flüsse über die Ufer treten. An mehr als 50 Orten galt die höchste Warnstufe 3. Die tschechische Regierung hat wegen der steigenden Pegelstände den Notstand ausgerufen. Die Maßnahme gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas nach einer Krisensitzung des Kabinetts am Sonntagabend im Tschechischen Fernsehen.

In den am stärksten betroffenen südlichen und westlichen Landesteilen wurden Straßen und Bahnstrecken überschwemmt und mussten deshalb gesperrt werden. Die Regierung schickte rund 1.000 Soldaten zum Hilfseinsatz.

Haus bei Prag eingestürzt

Bei Prag stürzte ein Wochenendhaus über dem matschigen Untergrund ein. Eine Frau und ein Mann starben in den Trümmern, wie die nationale Agentur CTK meldete. An zwei Flüssen in Böhmen wurden drei Wassersportler vermisst. Die Polizei musste die Suche nach ihnen wegen der hohen Pegel abbrechen.

Rettungskräfte brachten in Prag mehr als 70 Patienten eines ufernahen Krankenhauses in Sicherheit. In der Stadt Hostinne am Oberlauf der Elbe waren Hubschrauber im Einsatz, um Einwohner aus ihren Häusern zu retten. Decin (Tetschen) bereitete sich auf einen Elbe-Pegelstand von bis zu 10,5 Meter vor, der am Montagvormittag erreicht werden könnte. Die Behörden haben in Decin, Usti (Aussig) und Hrensko erste Evakuierungen ufernaher Wohngegenden angeordnet.

Kritische Situation auch in Bayern

Nach dem tagelangen Dauerregen auch in Bayern haben die Städte Passau und Rosenheim am Sonntag Katastrophenalarm ausgerufen. In Passau rechneten die Einsatzkräfte damit, dass der Pegel der Donau bis zum Abend auf etwa 10,50 Meter steigt. Auch der Inn bereite zunehmend Probleme und schwelle stark an. Neben Teilen der Altstadt waren auch die Bundesstraßen 388 und 12 überspült, viele Häuser in Passau nur noch über Stege erreichbar. Die Stadt hat um Unterstützung der Bundeswehr gebeten.

Auch im oberbayerischen Rosenheim wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Speziell die Mangfall bereite Probleme, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. "Die Pegelstände dürften in den Bereich eines hundertjährigen Hochwassers und möglicherweise darüber ansteigen", so die Befürchtung. Nach derzeitiger Einschätzung seien die Deiche im Rosenheimer Stadtgebiet selbst den Belastungen durch die zunehmenden Wassermengen in Mangfall und Inn gewachsen. Die Behörden sorgen sich um jene Stellen, wo der verbesserte Hochwasserschutz noch nicht durchgängig fertiggestellt ist.

Nachdem sich die Lage in Oberbayern am Samstag kurzzeitig entspannt hatte, habe sie sich mit dem einsetzenden Starkregen am Nachmittag spürbar verschärft. Wie die Polizei in Rosenheim mitteilte, würden seither unablässig Notrufe in der Einsatzzentrale eingehen. Neben vollgelaufenen Kellern beschäftigen vor allem überflutete Straßen und Erdrutsche die Einsatzkräfte. Im Berchtesgardener Land mussten am frühen Sonntagmorgen drei landwirtschaftliche Anwesen evakuiert werden. Am Vormittag wurde zudem damit begonnen, Teile des Ortes Marquartstein zu räumen.

Spindelegger in Gesprächen

Wegen des Hochwassers hat am Sonntag Österreichs Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger Kontakt zu seinen Ressortkollegen in Bayern, der Slowakei und Ungarn aufgenommen. Vor allem in den Gesprächen mit dem Außenminister der Slowakei, Miroslav Lajcak, und dem ungarischen Amtskollegen Janos Martonyi ging es um eine Vorwarnung der Nachbarstaaten bezüglich der Flutwelle der Donau.

Gemeinsam mit dem bayerischen Außenminister wurde verabredet, den EU-Solidaritätsfonds anzurufen. Es gehe um eine nachbarschaftliche und eine europäische Hilfe, sagte Spindeleggers Sprecher Alexander Schallenberg. Der Vizekanzler habe darüber hinaus Kontakt mit den Landeshauptleuten aufgenommen. Spindelegger dankte ebenfalls den Einsatzkräften für ihre "unermüdliche Arbeit". (APA/red, derStandard.at, 2.6.2013)

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