"Wo soll ich nun mit meinem Geld hin?"

30. Mai 2013, 19:59
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Der Fall Liberty Reserve facht die Diskussion um digitale Währungen an. Nicht alle Abwicklungsportale sind per se illegal

New York/Wien - Der Chef der Online-Plattform Liberty Reserve, über die offenbar Geld in Milliardenhöhe über das Internet verschickt wurde, sitzt in Haft. Er muss sich jetzt wegen Geldwäsche verantworten. Doch der nun stillgelegte Zahlungsdienstleister, über den Kriminelle ihre Einnahmen aus Kinderpornografie, Drogenhandel und Hackerangriffen geschleust haben, sei nur eines von vielen Angeboten, die ihren Nutzern weitgehend Anonymität versichern, sagen Experten.

Auch Online-Systeme wie beispielsweise das 1998 in Moskau gegründete Webmoney, das in Panama ansässige Perfect Money oder CashU, das überwiegend den Mittleren Osten und Nordafrika bedient, verlangen von ihren Kunden für eine Kontoeröffnung kaum mehr als eine gültige E-Mail- Adresse. Namen und Wohnorte der tatsächlichen Nutzer sind nicht bekannt. " Viele der Dienste behaupten zwar, über ihre Klienten Bescheid zu wissen, eine sorgfältige Prüfung findet aber nicht statt", zitiert New York Times Tom Kellermann vom IT-Sicherheitsunternehmen Trend Micro.

Datenspuren

In geschlossenen russischsprachigen Untergrundforen ärgern sich Nutzer über die Schließung von Liberty Reserve: "Wo soll ich nun mit meinem Geld hin? Wäre Perfect Money eine gute Alternative? Ich bin gespannt, ob bei Bitcoin nun der Wechselkurs steigt oder nicht."

Für die Internetwährung Bitcoin spricht zumindest, dass man sich für eine Transaktionsadresse lediglich die entsprechende Software auf seinem Computer oder seinem Handy installieren muss. Allerdings lassen sich bei Bitcoin sämtliche Zahlungen nachweisen. Das Online-Geld trägt seine komplette Geschichte als Datenspur mit sich. Zwar kann man Bitcoin mit einem Pseudonym benutzen, wer dabei aber nicht sorgfältig vorgeht, kann auffliegen.

Der Liberty-Reserve-Fall facht die Diskussion um digitale Währungen und ihre mangelnde Kontrolle durch den Staat weiter an. Doch auch wenn die Plattform das reinste Paradies für Internetverbrecher darstellte, gibt es etliche Anbieter, deren Dienste in einem positiven Licht erscheinen. Zu ihnen gehört etwa Paypal.

Ebay-Tochter hat Banklizenz

Die Ebay-Tochter verfügt in jedem Land, in dem sie aktiv ist, über eine Banklizenz. In Europa unterliegt sie der Regulierung durch die luxemburgische Bankaufsicht CSSF und damit dem Europäischen Recht. Paypal filtert auffällige Zahlungsvorgänge heraus und arbeitet mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen.

Die Milliarden-Waschmaschine Liberty Reserve, deren Trommel sich laut Bundeskriminalamt auch in Österreich drehte, soll nach Angaben der US- Justiz mehr als eine Million Kunden gehabt haben, davon gut 200.000 allein in den USA. Der Anklageschrift zufolge liefen seit 2006 etwa 55 Millionen Transaktionen über das relativ simple System. Jeder konnte anlegen. Echtes Geld wurde in LR-Einheiten umgetauscht, innerhalb des Systems mehrfach verlagert und am Ende wieder in reguläres Geld verwandelt. Der Betreiber des Online-Bezahldienstes machte dabei offenbar große Kasse. Er kassierte ein Prozent Provision pro Transaktion. (kat, DER STANDARD, 31.5.2013)

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