Slowaken spekulieren über Präsidentschaftskandidatur von Premier Fico

29. Mai 2013, 15:38
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Regierungspartei dementiert überraschend Informationen über Kandidatur des Premierministers

Bratislava - In der Slowakei ist ein heftiger Medienwirbel rund um eine mögliche Präsidentschaftskandidatur von Premier Robert Fico ausgebrochen. Nachdem die Tageszeitung Hospodarske noviny am Mittwoch unter Berufung auf mehrere parteiinterne Quellen bekannt gab, der Sozialdemokrat habe definitiv beschlossen sich um den Präsidentenposten zu bemühen, wurde die Nachricht blitzartig von nahezu allen Medien im Land übernommen. Nur wenige Stunden später wurden sie von einer Parteisprecherin dann überraschend wieder dementiert.

Entscheidung erst am Parteitag

Robert Fico habe endlich zum ersten Mal bestätigt, worüber schon seit langem spekuliert wurde und die Leitung seiner Partei Smer informiert, dass er für die Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2014 kandidieren wolle, berichtete das Blatt. Offiziell könne die Regierungspartei dies nicht bekannt geben, da eine endgültige Entscheidung erst auf dem Parteitag der Smer im Dezember gefällt werden solle, hieß es. Auch wolle Fico nur antreten, "wenn er sich seines Sieges völlig sicher sein kann", zitierte die Zeitung ein Mitglied des Parteipräsidiums der Smer, das nicht genannt werden wollte.

Dementi von Parteisprecherin

Das Thema sei von der Parteileitung "nie diskutiert" worden, auch habe der Premier und Parteivorsitzende Fico keinesfalls "seine Ambition zu kandidieren" mitgeteilt, erklärte kurze Zeit später die Smer-Parteisprecherin Monika Pocatkova. Eine Diskussion sei erst für Herbst dieses Jahres geplant und ihr Ergebnis wird auf dem Kongress zu Jahresende bekannt gegeben.

Große Beliebtheit im Land

In der Slowakei ist eine mögliche Kandidatur von Fico, der ungeschlagen der beliebteste Politiker des Landes ist, ein Dauerthema für Analytiker, Medien und die Öffentlichkeit. Seine sozialdemokratische Regierungspartei Smer erreicht trotz umfangreicher Sparmaßnahmen zur Gesundung der Staatsfinanzen, die immer mehr Slowaken auch im eigenen Geldbeutel spüren, dauerhaft Präferenzen von über 40 Prozent. Keine der zerstrittenen und zersplitterten Rechtsparteien im Land kann mit der Fico-Partei ernsthaft konkurrieren, wobei diese Situation mindestens bis zu den Parlamentswahlen 2016 anhalten dürfte. Für Fico, der einst Schritt für Schritt die Linke der Slowakei vereint und zu einem überwältigenden Wahlsieg geführt hatte, dürfte somit der Präsidentenposten der Höhepunkt seiner politischen Karriere sein.

Fico äußert sich nicht

Seit Monaten weigert sich aber der Premier hartnäckig eine eventuelle Kandidatur zu bestätigen oder auszuschließen. Ein Großteil der Slowaken, laut letzten Umfrageergebnissen nahezu 42 Prozent der Wähler, würden aber gerade Fico in Zukunft gerne im Präsidentenpalast sehen. Der zweitstärkste Anwärter, der einstige Dissident und Gründer der christdemokratischen Partei Jan Carnogursky, liegt hingegen bei einer Wählerunterstützung von lediglich 17,2 Prozent. (APA, 29.5.2013)

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    Robert Fico ist trotz seiner Sparpolitik bei den Slowaken sehr beliebt.

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