Wolfsburg fixiert deutsches Double in London

23. Mai 2013, 23:17
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Der VfL Wolfsburg holt danke eines Elfertreffers von Martina Müller gegen überlegenes Lyon erstmals den Titel

Der VfL Wolfsburg ist sensationell Champions-League-Sieger der Frauen. Die frischgebackenen deutschen Meisterinnen und Cupsiegerinnen leiteten am Donnerstagabend an der Stamford Bridge die deutschen Festspiele in London mit einem 1:0-Sieg gegen die haushohen Favoritinnen von Olympique Lyon ein und veredelten ihre Saison gleich mit dem Triple. Bisher war Wolfsburg im Frauenfußball noch ohne jeden Titel gewesen.

Die Französinnen hatten hingegen unter ihrem aktuellen Coach Patrice Lair seit zwei Saisonen kein Spiel mehr innerhalb von 90 Minuten verloren und waren auch in ihrem viertel CL-Finale in Folge über weite Strecken das klar spielbestimmende Team. Die Wolfsburgerinnen hielten der teilweise erschreckenden technischen Überlegenheit ihrer Gegnerinnen vor allem ein aufopferndes Defensivzentrum und eine signifikante Portion Glück entgegen. Der Trainer Ralf Kellermann nannte das Auftreten seiner Mannschaft eine "taktische Meisterleistung" des gesamten Kollektivs.

Nach gutem und ausgeglichenem Beginn übernahmen die Favoritinnen ab etwa der 20. Minuten das Kommando an der trotz niederiger Ticketpreise nur zu einem Drittel ausverkauften Heimstätte des FC Chelsea. Auch in Phasen von zeitweise mehrmals pro Minute stattfindenden Abschlüssen verpasste Lyon es aber, dem Dauerdruck mit dem Führungstor Nachdruck zu verleihen. Die mit internationalen Stars gespickte Mannschaft scheiterte entweder an Keeperin Alisa Vetterlein oder an sich selbst.

Pohlers kommt mit Tritt davon

Besonders dankbar dürfen die Deutschen sein, dass Schiedsrichterin Teodora Albon aus Rumänien in der 35. Minute nicht sehen konnte, dass die Starstürmerin und CL-Torschützenkönigin Conny Pohlers eine Gegnerin weit abseits des Geschehens trat. Die zeitweise übermotivierte und immer lästig spielende Führungsspielerin der Wolfsburgerinnen hätte an dieser Stelle vom Platz fliegen können. Stattdessen rettete sich der VfL in die Pause.

Wolfsburgs abgesehen von der ungarischen Schlüsselspielerin Zsanett Jakfabi ausschließlich mit deutschen Spielerinnen besetztes Team rannte den französischen Angriffen weiter beherzt hinterher - entlastet nur durch gelegentliche Konter. Der französische Coach Lair versuchte im strömenden Regen mit den Hereinnahmen von Lara Dickenmann (für Megan Rapinoe) und Eugenie Le Somer (für die müde wirkende Camille Abily) neue Akzente zu setzen. Seine Mannschaft kam trotzdem nicht entscheidend zum Zug. Lair nach dem Spiel: "Wir waren nicht effektiv genug. Aber die Leistung kann ich meiner Mannschaft nicht vowerfen."

Und aus dem Nichts entspringt ein Tor

Der Schock für Lyon folgte - allen fußballerischen Klischees entsprechend - in der 73. Minute. Die ansonsten überragende Lyon-Abwehrchefin Wendie Renard erreichte eine Flanke von der rechten Seite nicht. Ihrer direkt dahinter stehenden Partnerin Laura Georges sprang der Ball unglücklich an die Hand. Schiedsrichterin Albon entschied ohne zu Zögern und mit Recht auf Elfmeter - allerdings im Gegensatz zu einer ebenfalls brenzligen Handszene kurz davor auf der anderen Seite. Martina Müller, eine der Routiniertesten in der Mannschaft, verwandelte mit einem trockenen Schuss in die Mitte.

"Genau das Quäntchen Glück, das man gegen Lyon braucht", gab Kellermann nach dem Match zu, ehe er seiner Mannschaft bescheinigte, "genau nach Plan" gespielt zu haben. Die wütenden Angriffe der Olympique-Spielerinnen wurden in der Schlussphase zuehmend von Nervosität unterwandert. Luisa Wensing rettete gegen Dickenmann in höchster Not mit einem bravourösem Tackling, ehe die Schweizerin im Lyon-Trikot auch noch ein weiteres Mal an Keeperin Vetterlein scheiterte. Die eingewechselte Lina Magull hatte dann noch die Vorentscheidung auf dem Fuß, scheiterte jedoch vom Fünfer an Bouhaddi.

Eine Schrecksekunde mussten die durch Verletzungen geschwächten Deutschen noch überstehen. Als Necib in der 94. Minute einen verzweifelten Schuss aus 20 Metern versuchte, musste Vetterlein nachfassen, ehe sie mit ihrer Mannschaft den Pokal vor den Augen von Michel Platini stemmen durfte. (Tom Schaffer aus London, derStandard.at, 23.5.2013)

ERGEBNIS, CL-Finale der Frauen:

VfL Wolfsburg- Olympique Lyon 1:0 (0:0), Stamford Bridge, 20.000, Schiedsrichterin: Teodora Albon (Rumänien).

Tor: 1:0 Müller (74., Handelfmeter)

Wolfsburg: Vetterlein - Wensing, Henning, Hartmann, Popp - Keßler, Goeßling - Blässe, Jakabfi (78. Magull), Müller - Pohlers (82. Omilade). - Trainer: Kellermann

Lyon: Bouhaddi - Franco, Georges, Renard, Bompastor - Abily (67. Le Sommer), Necib, Henry - Rapinoe (46. Dickenmann/89. Majri), Schelin, Thomis. - Trainer: Lair

Gelbe Karten: Magull - Renard

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    Pokalschmusen.

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    Posieren.

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