Khamenei soll Wächterrat-"Diktatur" verhindern

23. Mai 2013, 14:38
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Ausschluss Rafsanjanis sorgt im Iran für einen tiefen Riss innerhalb der Führungskrise

Teheran/Wien - Die Tochter des iranischen Revolutionsvaters Ayatollah Ruhollah Khomenei, Zahra Mostafavi, hat sich mit einer Warnung vor "diktatorischen Tendenzen" erneut in die Debatte über die Präsidentenwahl am 14. Juni eingeschaltet. In einem Brief und mit einer Stellungnahme an den Obersten Geistlichen Führer Ali Khamenei kritisierte sie den Wächterrat für den Ausschluss von Ex-Präsident Ayatollah Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani von der Wahl scharf.

Forderung nach Rücknahme der Entscheidung

Mittels "schwesterlicher Warnung" wies Mostafavi darauf hin, dass die Entscheidung des Rates zu einer schwerwiegenden Entfremdung zwischen Rafsanjani und Khamenei führen werde, und forderte eine Rücknahme der Entscheidung, da die iranische Politik sonst Gefahr laufe, wegen der Auswahl des Wächterrats diktatorische Tendenzen anzunehmen. Khamenei hat in allen Belangen das letzte Wort und kann die Entscheidungen des Wächterrats revidieren.

"Am selben Tag, als ich Imam Khomeinis Bestätigung von Ihnen als Oberster Führer vernahm, hörte ich auch den Namen von Ayatollah Rafsanjani, der gleich nach ihnen von meinem Vater genannt wurde. Mein Vater sagte immer, dass diese beiden Männer gut wären, solange sie miteinander wären. Daher sehe ich mit der unglücklichen Entscheidung des Wächterrates, Ayatollah Rafsanjani nicht zuzulassen, einen fatalen Effekt für die Revolution und die Islamische Republik", so Mostafavi weiter.

Unglaubliche Disqualifizierung

Khomeinis Enkel, Hassan Khomeini, schrieb in einem Brief an Rafsanjani, dass seine Disqualifizierung "unglaublich" wäre. Er sei sehr froh zu beobachten, welche Sympathien die Menschen in den letzten Tagen an der Grabstätte Khomeinis für Rafsanjani entgegengebracht hätten, so Hassan Khomenei weiter.

Der Ausschluss Rafsanjanis sorgt im Iran für einen tiefen Riss innerhalb der Führungskrise. Einige Mitglieder des Expertenrates, jenes Gremiums, das Khamenei kontrolliert und auch absetzen kann, und mehrere Parlamentsabgeordnete kamen am Mittwoch und Donnerstag in das Büro Rafsanjanis und zollten ihm Respekt. Indes hat die Führung mehrere Krisensitzungen angesetzt. Ayatollah Khamenei hat sich zur Disqualifizierung Rafsanjanis noch immer nicht geäußert. (APA, 23.5.2013)

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