ÖH: "Nicht überall zielführend"

8. August 2003, 11:15
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Kritik an rasch wachsender Zahl an Bakkalaureat-Studien - Angebot im kommenden Semester verdoppelt

Wien - Für "problematisch" hält die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) die rasch wachsende Anzahl an Bakkalaureat-Studien. Das dreigliedrige System sei zwar in manchen Studienrichtungen "durchaus mehr als sinnvoll", in anderen jedoch nicht zweckmäßig, hieß es in einer Aussendung am Montag.

ÖH stellt die "Sinnfrage"

Als positives Beispiel führte der stellvertretende ÖH-Vorsitzende Ralph Schallmeiner (Grüne und Alternative StudentInnen/GRAS) das Publizistik-Bakkalaureat an - damit sei eine gezielte Ausbildung für Journalisten vorhanden. Bei anderen Studienrichtungen wie etwa der Judaistik stelle sich aber "schon die Sinnfrage, da diese stärker in eine wissenschaftliche Richtung tendieren".

Kritik an "scheinbarer Erhöhung der Akademikerquote"

Ein anderes Problem ortete ÖH-Vorsitzende Patrice Fuchs (Verband Sozialistischer StudentInnen /VSStÖ): Die vielen Bakkalaureate würden zu einer scheinbaren Erhöhung der Akademikerquote führen, weil einige Interessenten durch die kurze Studienzeit eher bereit seien, ein solches Studium zu beginnen. Dies laufe allerdings darauf hinaus, dass Studierende nur mit Bakkalaureat-Abschluss am Arbeitsmarkt nicht so gerne genommen würden wie beispielsweise Fachhochschul-Absolventen, so Fuchs. Außerdem sei zu befürchten, dass künftig nur die Finanzierung des Bakkalaureats gesichert sei, jedoch alles darüber hinaus zum "Privatvergnügen" avanciere.

Zahl der Bakkalaureat-Studien verdoppelt

Die Zahl der Bakkalaureat-Studien an den österreichischen Universitäten wird sich mit Beginn des kommenden Studienjahres verdoppeln. Bisher gab es 74 dieser Kurzstudien, im Herbst werden nach Angaben des Bildungsministeriums knapp 80 neue - meist sechssemestrige - Bakkalaureat-Studien starten. Insgesamt werden damit rund 150 Studien im dreigliedrigen System mit den akademischen Abschlüssen Bakkalaureus, Magister und Doktor angeboten.

Das Angebot

Diese hohe Zahl an Bakkalaureat-Studien bedeutet nicht, dass ebenso viele Diplomstudien umgewandelt wurden. Denn bei der Umstellung werden vielfach einzelne Studienrichtungen in mehrere Bakkalaureat-Studien aufgesplittet. So wird man ab Herbst an der Uni Wien nicht mehr Finno-Ugristik studieren können, sondern muss sich zwischen einem Bakkalaureat-Studium für Hungarologie oder für Fennistik entscheiden. Bei anderen Angeboten erfolgt die Spezialisierung erst im Magisterstudium, etwa beim neuen Kurzstudium "Übersetzen und Dolmetschen". Nach dessen Absolvierung kann man gleich aus vier Magisterstudien wählen, nämlich für Gesprächsdolmetschen und Übersetzen, Fachübersetzen und Terminologie, Konferenzdolmetschen oder Medien- und Literaturübersetzen.

Weitere Beispiele für die neue der europäischen Studienordnung folgende akademische Ausbildung sind an der Uni Wien Bakkalaureat-Studien für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, für Astronomie oder für Judaistik, an der Uni Salzburg für Erdwissenschaften oder für Kunstgeschichte, an der Uni Graz für Soziologie oder für Pädagogik. An der Uni Innsbruck wird mit Katholischer Religionspädagogik erstmals im deutschen Sprachraum im Bereich Theologie ein Bakkalaureat-Studium angeboten.

EU-Ziel dreigliedrige Studien

Die Einführung des dreigliedrigen Studiums ist seit der so genannten "Bologna-Erklärung" von 1999 erklärtes EU-Ziel. Es soll durch eine vergleichbare Studienstruktur die Mobilität von Studenten fördern und die Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen gewährleisten.(APA)

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