Saudi-Arabien: Frauen im Fußballstadion sorgen für Empörung

22. Mai 2013, 10:19
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Sportfunktionär regte an, Stadien auch für Frauen zu öffnen und für sie 15 Prozent Sitzplätze zu reservieren

Riad - Von gesellschaftlicher Gleichberechtigung sind Frauen in Saudi-Arabien noch weit entfernt, doch für die Sportbegeisterten unter ihnen gibt es möglicherweise einen kleinen Hoffnungsschimmer. Mit seinem Vorschlag, Frauen künftig ins neue Fußballstadion von Dschiddah einzulassen, hat der Präsident des Nationalen Fußballverbands eine Debatte in den Medien des streng islamischen Landes losgetreten.

Wegen der entrüsteten Kommentare sah sich Ahmed Eid kurz darauf zu der Klarstellung genötigt, er habe lediglich seine persönliche Meinung zum Ausdruck gebracht. Der Sportfunktionär hatte angeregt, dass Frauen schon bald nach der für kommendes Jahr geplanten Eröffnung der Zutritt zum König-Abdullah-Stadion gewährt werden könnte. Bei weiblichen Fußballfans weckte er die Hoffnung, dass 15 Prozent der Sitze in der Sportarena als Familienblöcke ausgewiesen werden könnten, in denen Frauen die Spiele verfolgen dürfen.

Später sagte Eid dann, dass die Entscheidung darüber von den Behörden getroffen werde und nicht den Sportverbänden obliege. Der für alle Sportangelegenheiten des Golfstaats zuständige saudi-arabische Prinz Nawaf bin Faisal sagte dazu, er habe Eids Erklärung nichts hinzuzufügen.

Sportlerinnen gibt es quasi nicht

Im erzkonservativen Saudi-Arabien wird das islamische Recht der Scharia strikt ausgelegt. Der Kontakt zwischen beiden Geschlechtern im öffentlichen Leben ist verboten, Frauen dürfen sich nicht überall frei bewegen, und Sportlerinnen gibt es - mit Ausnahme einiger Mädchen in Privatschulen - quasi nicht.

Umso mehr sorgte vorige Woche die erste Besteigung des Mount Everest durch eine saudi-arabische Frau für Aufsehen. Die 25-jährige Raha Moharrak erklomm den 8.848 m hohen Gipfel des höchsten Bergs der Welt am Samstag mit einer zwölfköpfigen Expedition.

Asienmeisterschaft 2019 in Saudi-Arabien?

Zwar hatten einige fußballbegeisterte Anhängerinnen des saudi-arabischen Clubs Al-Fath ihren Verein schon bei Auswärtsspielen in Kuwait unterstützt. Nach der Heimkehr wurde ihnen der Zutritt zum Rückspiel aber verwehrt. Sollte Saudi-Arabien den Zuschlag als Ausrichter der Fußball-Asienmeisterschaft 2019 bekommen, müssten gemäß den Regeln des Asiatischen Verbandes AFC einige Zuschauerplätze für Frauen reserviert werden. (APA, 22.5.2013)

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