Energiemusik in Zimmerlautstärke

20. Mai 2013, 18:05
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Schlagzeuger Uli Soyka und seine Formation Lila Lotus bei den Inntönen

Froschau - Es gibt keinerlei Garantie, dass versierte Solisten, zu einer Band zusammengeschweißt, auch als Kollektiv mehr als nur solide funktionieren. Sie müssen ja im Idealfall zweierlei bewerkstelligen, Widersprüche einen: Ohne Unterordnung unter ein gemeinsames ästhetisches Ansinnen geht es nicht; ohne gleichzeitigen Ego-Einsatz allerdings auch nicht. Auch deshalb sind All-Star-Bands allzu oft Quellen von Routine und Dienst nach Vorschrift.

Bei den Inntönen in Oberösterreich, dem Jazzfestival mit dem speziellen Bauernhofflair, das bei internationalen Stargästen (heuer Pharoah Sanders) in der Regel für freudiges Staunen sorgt, durfte man indes erleben, wie gut das Zusammenwirken profilierter Jazzköpfe funktionieren kann.

Wobei: Von "spekulativ" und "schnell zusammengewürfelt" kann keine Rede sein. Die Formation Lila Lotus existiert seit einigen Jahren. Für Schlagzeuger Uli Soyka, der sie leitet, ist sie zwar nur eines von vielen Musikprojekten, aber doch eines der wesentlichen und dabei auch zugänglichen. Jedenfalls wirken die Kompositionen in ihrer Grundatmosphäre wie malerisch fließende Musikströme, die bisweilen freejazzig dekonstruiert werden.

Klansensibler Impulsgeber

Dort allerdings, wo die Struktur streng erhalten bleibt, also die meiste Zeit, überzeugt ein Mix aus Disziplin und Freiheit: Soyka selbst ist ein klangsensibler Impulsgeber, der für nötige Vieldeutigkeit und Offenheit der rhythmischen Energie sorgt, über die sich bisweilen die Dialoge zwischen Saxofonist Klaus Gesing und Trompeter/Flügelhornist Lorenz Raab legen und mitunter interessante Echowirkungen produzieren.

Durchhänger gibt es bei aller Sanftheit, die an frühe, substanzvolle Arbeiten von Saxofonist Jan Garbarek erinnert, keine. Entweder wirft Pianist Uli Rennert kurze Statements ein, oder Bass (Magnus Bergström) und Gitarre (Henrik Hallberg) sorgen für nötige Impulse.

In dieser schwebenden Welt stimmte - jedenfalls an diesem Abend - auf selbstverständliche Art und Weise alles: Intensität gab es, aber ohne besondere Exaltiertheit. Man hörte Energiemusik quasi in Zimmerlautstärke. Zum Merken: Wer hochkarätige Gedanken hat, muss sie nicht unbedingt herausbrüllen. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 21.5.2013)

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