Syrien: Dutzende Tote bei Armeeoffensive gegen Rebellenhochburg

20. Mai 2013, 09:13
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Al-Kusair liegt in strategisch wichtigem Korridor zwischen Damaskus, dem Mittelmeer und dem Nachbarland Libanon

Damaskus - Syrische Regierungstruppen haben mit einem umfassenden Angriff auf die strategisch bedeutende Rebellenhochburg Al-Kuseir begonnen. Bei Luft- und Artillerieangriffen sowie Kämpfen in der Stadt wurden laut der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mindestens 52 Menschen getötet. Auf Regierungsseite starben dabei auch mindestens 23 Mitglieder der libanesischen Hisbollah-Miliz. Der syrische Staatschef Bashar al-Assad schloss unterdessen einen Rücktritt aus.

Laut der Beobachtungsstelle flog die Luftwaffe Sonntag früh Angriffe auf Al-Kusair. Zudem habe es Artilleriebeschuss gegeben. Armeeeinheiten nahmen nach eigenen Angaben das Stadtzentrum ein. "Die syrische Armee kontrolliert den Hauptplatz von Al-Kuseir und die umliegenden Gebäude", sagte ein Armeevertreter. Ein Regierungssoldat erklärte im Staatsfernsehen, einhundert bewaffnete Männer seien in heftigen Kämpfen getötet worden.

Die Beobachtungsstelle sprach von mindestens 52 Getöteten, darunter 21 Rebellen. Die Regierungstruppen wurden von der schiitischen Hisbollah-Miliz unterstützt. Die "Freie Syrische Armee" sprach von 30 getöteten Hisbollah-Mitgliedern seit Sonntag, die Beobachtungsstelle von 23. Libanesische Medien berichteten, sieben Leichen von Hisbollah-Kämpfern seien aus Syrien in ihre Heimatorte gebracht worden, um dort begraben zu werden.

Die Armee und regierungstreue Kämpfer versuchen seit Wochen, die strategisch wichtige Stadt zwischen Damaskus und der Mittelmeerküste unter Kontrolle zu bringen. Al-Kuseir war seit mehr als einem Jahr in der Hand der Rebellen, die seit März 2011 gegen Assad kämpfen.

Frankreich "zutiefst besorgt"

Die wichtigste syrische Oppositionsgruppe Nationale Koalition fordert eine Ende des "Massakers" in Al-Kuseir und beklagte "barbarische und zerstörerische Luftangriffe" auf die Stadt. Die Arabische Liga berief für Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung ein. Auch das französische Außenministerium zeigte sich "zutiefst besorgt" über die Lage in Kuseir.

Während die Verwicklung libanesischer Kämpfer in den syrischen Bürgerkrieg die Spannungen im Nachbarland steigen ließ - am Sonntag starben zwei Menschen bei Zusammenstößen in der libanesischen Hafenstadt Tripolis - wuchs auch die Furcht vor einer Eskalation des syrisch-israelischen Konflikts.

Die Londoner "Sunday Times" berichtete am Sonntag, Syrien habe modernste Raketen angriffsbereit gegen Israel in Stellung gebracht. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu betonte daraufhin, Israel sei "auf jedes Szenario vorbereitet". Zugleich bekräftigte er, dass sein Land weiter zu Angriffen auf Waffenlieferungen gegen die Hisbollah-Miliz bereit sei. Israel hatte vor zwei Wochen zum dritten Mal seit Jahresbeginn Ziele in Syrien angegriffen. Der israelische Sicherheitsexperte Shlomo Brom sagte am Sonntag, mit jedem Angriff steige die Wahrscheinlichkeit eines syrischen Gegenangriffs.

Assad: "Rücktritt wäre Flucht"

Der syrische Präsident Assad lehnte unterdessen einen Rücktritt kategorisch ab. "Rücktritt wäre Flucht", sagte er in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit argentinischen Medien. Er wies zugleich den Vorwurf zurück, im syrischen Bürgerkrieg Chemiewaffen gegen seine Widersacher eingesetzt zu haben.

Assad zeigte sich skeptisch zu Plänen der USA und Russlands für eine internationale Konferenz zur Lösung des Konflikts. Er glaube nicht, "dass viele westliche Länder wirklich eine Lösung für Syrien wollen", sagte Assad. Außerdem könne eine politische Konferenz den "Terrorismus" nicht beenden. Als "Terroristen" bezeichnet die Regierung die von islamistischen Kämpfern unterstützten Rebellen.

In der Provinz Deraa entführten Bewaffnete am Samstag nach Angaben aus Regierungskreisen und der Beobachtungsstelle den Vater des syrischen Vizeaußenministers Faisal Mektad. Der 84-Jährige sei aus dem Haus der Familie im Dorf Ghossom in die Provinzhauptstadt Deraa gebracht worden, hieß es aus Regierungskreisen. In Damaskus wurden am Samstag laut Staatsfernsehen mindestens drei Menschen durch eine Autobombe getötet. (APA, 20.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dieses Foto zeigt die Zerstörung in Al-Kuseir, es wurde der Agentur AP über die Bürgerjournalismus-Agentur Kuseirs Lens zugespielt.

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