Sprachtraining, Stereotype, Stolpersteine

17. Mai 2013, 17:47
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Betriebe werden globaler. Die Vermittlung interkultureller Kompetenz wird immer wichtiger. Wie Banken mit der Vielfalt umgehen - ein Überblick

Wien - Zehn bis 15 Sprachen sind es schnell, die man im Zuge eines Meetings bei der Privatbank Gutmann hören könnte. Die Bank hat durch ihre Expansion auch neue Sprachen an Bord geholt. "Bei internationalen Besprechungen wird daher Englisch gesprochen, damit sich alle verständigen können", sagt Alexandra Norman-Audenhove, die bei Gutmann für das Institutional Banking zuständig ist. Die Möglichkeit, in eine Auslandsniederlassung zu wechseln, wird nicht offensiv angeboten. Bei Festivitäten wird jedoch darauf geachtet, dass diese multikulturell sind und möglichst viele internationale Mitarbeiter anwesend sind.

54 Nationen sind es, die bei der Raiffeisen-Bank International (RBI) zusammenkommen. Um Hürden zu vermeiden, wird versucht, die positiven Aspekte des Andersseins zu verstärken, teilt eine Sprecherin mit. Umgesetzt wird das durch ein Angebot an Gratissprachkursen für die Mitarbeiter. Im Vorjahr gab es dafür in Summe 2345 Trainingstage. Neben Deutsch und Englisch stehen auch osteuropäische Sprachen auf dem Programm. In den sogenannten interkulturellen Trainings wird nicht nur über nationale Gepflogenheiten oder geschichtliche Hintergründe informiert. Auch "How to do business in ..." steht laufend auf dem Programm. Das Verständnis für andere Länder und deren Sitten soll auch im Mobilitätsprogramm nähergebracht werden - ein Jobaustausch für einige Wochen wird vom Konzern unterstützt.

Kulinarium

Wichtig ist in diesem Zusammenhang im Hause Raiffeisen auch die Kulinarik. Die Mitarbeiter veranstalten regelmäßig lukullische Themenabende, bei denen nationale Speisen serviert werden. Rezepte aus jenen Ländern, in denen die RBI vertreten ist, haben 2006 auch den Geschäftsbericht aufgelockert. Die Nachfrage nach diesem Bericht war so groß, dass Exemplare nachgedruckt werden mussten.

Das zweisprachige Intranet werde mittlerweile auch dafür benutzt, sich von den ausländischen Mitarbeitern Tipps für den nächsten Urlaub zu holen, fasst die RBI- Sprecherin zusammen.

Die Erste Bank vereint 40 Nationalitäten unter ihrem Dach. Konzernsprache ist Englisch, "damit tun wir uns alle gleich schwer", gibt eine Mitarbeiterin Einblick. Das Thema kulturelle Vielfalt wird in der Bank nicht nur mit Sprachkursen, Workshops und Job-Rotationen unterstützt. Auch in die jährliche Führungskräftebeurteilung (setzt sich aus Eigen- und Fremdbewertung zusammen) fließt der gelebte Umgang mit der interkulturellen Vielfalt ein.

Um die 17 Nationen, in denen die zur italienischen UniCredit gehörende Bank Austria (BA) tätig ist, unter einen Hut zu bringen, gibt es in der Bank eine "Integrity Charter". Die Themen Respekt, Gegenseitigkeit, Freiheit und Vertrauen stehen dabei im Fokus. Gefördert wird vor allem der Informationsaustausch über jene Märkte, in denen die Bank tätig ist.

Das "Global Mobility Program" ermöglicht es Mitarbeitern, Erfahrungen in Auslandstöchtern zu machen. Derzeit gibt es in der BA rund 650 Expatriates, also Mitarbeiter, die vorübergehend in eine ausländische Zweigstelle entsandt sind.

Mitte 2013 wird das "Projekt Kaiserwasser" eröffnet. Das Erholungsgebiet an der Donau steht allen Mitarbeitern aus allen UniCredit-Ländern zur Verfügung und soll auch den interkulturellen Austausch bei Sport- und Freizeit-Events fördern.

Reibungsverluste

So groß das Bemühen der Unternehmen um das kulturelle Verständnis auch ist, Reibungsverluste, Spannungen und Missverständnisse bei der Zusammenarbeit mit internationalen Geschäftspartnern gibt es dennoch immer wieder. Etwa wenn bei Projekten mit verschiedenen Auslandstöchtern unterschiedliche Geschwindigkeiten oder Auffassungsdifferenzen transparent werden. Eine Zielvorgabe der Konzernzentrale heißt noch lange nicht, dass diese alle Beteiligten gleich ernst nehmen, wie aus der Praxis zu hören ist. "Kultur wird überall dort zum Thema, wo Menschen miteinander interagieren", sagt Alois Moosmüller, Professor am Münchener Institut für interkulturelle Kommunikation.

Zum Problem wird die Vielfalt, wenn "unterschiedliche Kulturen dazu benutzt werden, den anderen eines auszuwischen", sagt Moosmüller zum Standard. Wenn es etwa heiße, "so sind's, die Franzosen" oder "typisch Deutsche". Somit werde aus einem x-beliebigen Thema oft ein kulturelles gemacht. Schaukle sich das hoch, könne sich die Stimmung nachhaltig vergiften. Daran seien laut Moosmüller auch schon viele Deals gescheitert.

Stolpersteine

Auf die Vermittlung dieser Soft Skills werde in Unternehmen noch immer oft vergessen, mahnt Moosmüller. Zu oft orientiere man sich bei Projekten und Transaktionen lediglich an den "hard facts" wie dem Zahlenmaterial.

"In den kulturellen Trainings verbergen sich auch Stolpersteine", erklärt Brigitta Schmidt-Lauber, Vorstand am Institut für europäische Ethnologie an der Universität Wien, im Gespräch mit dem Standard. Kultur werde in solchen Workshops oft als statisches Gebilde wahrgenommen. Damit würden mitunter mehr Stereotype erzeugt als gewollt und viel weniger Verständnis für andere Sitten und Gebräuche geschaffen als gedacht. "Kultur und Gesellschaft sind im Wandel, beide Bereiche sind nicht auf ein paar Parameter reduzierbar", fasst Schmidt-Lauber zusammen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 18.5.2013)

  • So groß das Bemühen der Unternehmen um das kulturelle Verständnis auch ist, Reibungsverluste, Spannungen und Missverständnisse bei der Zusammenarbeit mit internationalen Geschäftspartnern gibt es dennoch immer wieder. (Bild: Sujetbild)
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    So groß das Bemühen der Unternehmen um das kulturelle Verständnis auch ist, Reibungsverluste, Spannungen und Missverständnisse bei der Zusammenarbeit mit internationalen Geschäftspartnern gibt es dennoch immer wieder. (Bild: Sujetbild)

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