Rekorde für "Jack the Dripper" & Co

17. Mai 2013, 17:22
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New York bleibt der wichtigste Marktplatz für zeitgenössische Kunst, wie die dieswöchigen Auktionen belegen

Für eine elegante Seereise oder eine Abendveranstaltung unter freiem Himmel: zu solchen Anlässen darf die schwarze Smokingjacke gegen ein weiß- oder écrufarbenes Dinner Jopperl getauscht werden. So weit der international geläufige Dresscode, dem sich eben nicht jeder zu unterwerfen genötigt sieht. Sotheby's-Starauktionator Tobias Meyer etwa, der in diesem ungewohnten, wiewohl (von Tom Ford) maßgeschneiderten Outfit Dienstagabend statt der offerierten 64 schließlich 53 zeitgenössische Kunstwerke an die internationale Sammler-Community weiter reichte. Die Verkaufsquote blieb für New Yorker Verhältnisse mit 83 Prozent bescheiden und der Umsatz mit 293,58 Millionen Dollar ganz passabel.

Zu den Top-Ergebnissen gehört jenes für Barnett Newmans Onement VI (1953), für das ein Telefonbieter stattliche 43,84 Millionen Dollar bewilligte. Und das dürfte wiederum Microsoft-Mitbegründer Paul Allen gefallen, den die New York Times jüngst als Einbringer geoutet hatte.

Rekordehren heimste Gerhard Richter ein: Dank Donald Bryant, der sich ja vergangene Woche die Picasso-Skulptur Sylvette (13,6 Mio.) gönnte, und für Domplatz Mailand (1968), das zuletzt eine Hotellobby in Chicago schmückte, nun stattliche 37,12 Millionen Dollar hinblätterte. Damit gilt Richter als teuerster in der Auktionsbranche gehandelter lebender Künstler weltweit.

Noch mehr wird sich darüber der aktuelle Einbringer freuen, der das Gemälde 1998 bei Sotheby's in London für läppische 3,6 Millionen Dollar ersteigert hatte. Eine stattlichere Rendite warf - theoretisch - diese Woche nur Jackson Pollocks Number 19 ab. Im Mai 1993 wechselte es bei Christie's in New York für 2,42 Millionen Dollar in eine französische Sammlung und später in amerikanischen Besitz. Um die 30 Millionen stellte Christie's nun in Aussicht. Das 1948 ausgeführte Gemälde gehört zur legendären Serie von Pollocks Drip-Paintings, die, wie Willem de Kooning erklärte, als Eisbrecher für die Entwicklung der amerikanischen Malerei fungierten und die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflussten.

Spätestens 2006 war "Jack the Dripper" im Olymp des internationalen Kunstmarktes angekommen, als über einen von Tobias Meyer eingefädelten Private Sale sein Number 5 für gigantische 140 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Der vorläufige Auktionsrekord lag bei 40,4 Millionen Dollar, die Sotheby's vergangenen November für sein Number 4 kassierte. Geschichte. Ein hartnäckiger Telefonbieter setzte sich Mittwochabend bei 58,36 Millionen Dollar durch, ein wahrhaft stolzer Preis für eine auf Leinwand kaschierte Arbeit auf Papier.

Spendable Europäer

Ähnlich spendabel gaben sich Käufer europäischer Provenienz: 56,12 Millionen für Roy Lichtensteins Woman with Flowered Hat (1963) oder 48, 84 Millionen für Jean-Michel Basquiats Dustheads (1982). Am Ende des Abends hatten sich bei Christie's 66 Zuschläge auf 495 Millionen Dollar summiert: Der höchste jemals in einer einzelnen Auktion weltweit verzeichnete Umsatz überholte die ebenfalls von Christie's aufgestellte Bestmarke von 2006, als man - mit Unterstützung der vom Belvedere an Maria Altmann restituierten Klimt-Gemälde - 491,4 Milliönchen verbucht hatte. (kron, DER STANDARD, 18./19./20.5.2013)

  • Jackson Pollocks "Number 19".
    foto: christie's

    Jackson Pollocks "Number 19".

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    grafik: standard
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