Notstand in Teilen Nigerias: Islamisten nicht am Ende

Kommentar15. Mai 2013, 18:31
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In den vergangenen Monaten hat sich die Lage in Nigeria verschärft

Nach halbherzigen Versuchen, einen Dialog mit der radikalislamischen Sekte Boko Haram zustande zu bringen, und neuen, blutigen Attacken von Islamisten setzt Goodluck Jonathan auf eine militärische Lösung. In drei Bundesstaaten hat der nigerianische Präsident den Notstand ausgerufen und mehr Truppen in den Nordosten nach Adamawa, Yobe und Borno geschickt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jonathan sich dieser Maßnahme bedient. Sie hinderte die Islamisten Ende 2011 jedoch nicht daran, weitere Anschläge zu begehen. In den vergangenen Monaten hat sich die Lage verschärft: Die Angriffe sind professioneller und umfangreicher geworden, mit schwereren Waffen. Experten vermuten, dass ein Teil der Waffen aus Libyen und Mali kommt und Boko Haram unter anderem mit Islamisten in Nordmali kooperiert. Aktionen wie die Entführung einer französischen Familie in Kamerun durch Boko Haram im Februar zeigen, dass die Gruppe längst grenzüberschreitend agiert.

So wenig wie im Norden Malis dürfte dem Problem daher durch eine rein nationale Lösung beizukommen sein. Die Grenzen zu Niger, dem Tschad und Kamerun sind porös. Hinzu kommt, dass ein Teil der bettelarmen lokalen Bevölkerung sich von der Regierung im Stich gelassen fühlt und mit den Islamisten sympathisiert. Das Militär hat durch ein bekannt brutales Vorgehen seinen Teil dazu beigetragen. Die islamistische "Rebellion", wie Jonathan es nannte, dürfte in Nigeria noch lange nicht am Ende sein. (Julia Raabe, DER STANDARD, 16.5.2013)

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