"Ich glaube nicht, dass die Grünen Mainstream werden"

Interview14. Mai 2013, 16:22
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Der Tiroler Grüne Andreas Angerer ist mit 23 Jahren jüngster Landtagsabgeordneter

Andreas Angerer wird mit 23 Jahren für die Grünen in den Tiroler Landtag einziehen. Warum er trotz Koalition mit Günther Platter nicht den Jagdschein machen will und warum die Grünen einen gesellschaftlichen Wandel mit der Tiroler ÖVP einleiten, erklärt er im Gespräch mit derStandard.at.

derStandard.at: Wie war die Stimmung bei der Landesversammlung zur Abstimmung über Schwarz-Grün?

Angerer: Die Stimmung war positiv, wobei es wie üblich bei uns Grünen auch relativ viele kritische Stimmen gegeben hat, die ihre Meinung haben äußern können. Sie wollen uns in Zukunft auf die Finger schauen.

derStandard.at: Haben Sie für die Koalition gestimmt?

Angerer: Ich habe mich bei der Abstimmung enthalten.

derStandard.at: Wieso?

Angerer: Ich rücke nur nach in den Landtag, weil das Regierungsprogramm zu Stande gekommen ist. Ich will nicht nur für meinen persönlichen Vorteil abstimmen. Deswegen überlasse ich die Entscheidung der Basis, ob sie mir das zutrauen.

derStandard.at: Was erwarten Sie sich von der schwarz-grünen Zusammenarbeit?

Angerer: Ich erwarte mir neuen frischen Wind für Tirol, wo alte Muster aufgebrochen werden. Es kann einiges zum Positiven verändert werden.

derStandard.at: Bisher war Günther Platter wie ein Feindbild für die Grünen: Was hat sich geändert?

Angerer: Es ist um das System Platter gegangen. Dass wir jetzt mitregieren und Günther Platter auf die Finger schauen bedeutet schon das Ende des System Platter.

derStandard.at: Was halten Sie von Günther Platter?

Angerer: Ich kenne ihn kaum. Ich habe ihn heute zum ersten Mal persönlich getroffen und keine großen Worte mit ihm gewechselt.

derStandard.at: Der Blogger Markus Wilhelm von dietiwag.org hat die neue Regierung als Koalition zwischen ÖVP und JVP bezeichnet. Fehlt die grüne Handschrift im Regierungsprogramm?

Angerer: Man erkennt die grüne Handschrift in jedem kleinen Detail. Es steht die Gleichstellung von homosexuellen Paaren im Programm, es steht Schwangerschaftsabbruch im Programm, es steht die Gleichbehandlung von Menschen egal welcher Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht im Programm. Es ist ein gesellschaftlicher Wandel, den man da mit der ÖVP durchmacht, der sehr positiv ist.

derStandard.at: Ingrid Felipe hat gesagt, dass man jetzt auch Kompromisse eingehen muss: Wo sind die Grünen kompromissbereit?

Angerer: Die Kraftwerksprojekte, die bereits laufen, kann man nicht mehr aufhalten. Die versuchen wir nicht zu beeinflussen, sondern schauen, dass sie zu Ende geführt werden.

derStandard.at: Wie gehen die Grünen mit dem neuen Siegerimage um: Werden die Grünen Mainstream?

Angerer: Ich glaube nicht, dass die Grünen Mainstream werden. Das entscheidet immer noch der Wählerwille, ob wir Mainstream sind oder nicht.

derStandard.at: Sie ziehen mit 23 Jahren in den Landtag ein, welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Angerer: Die Wahlbeteiligung in Tirol war sehr gering, vor allem viele junge Menschen sind nicht wählen gegangen. Ich möchte die Menschen auf der Straße überzeugen, dass es Sinn macht wählen zu gehen und dass es Sinn macht einen jungen Menschen im Landtag sitzen zu haben. Das liegt mir sehr am Herzen.

derStandard.at: Wie wollen Sie das erreichen?

Angerer: In dem man bei Projekten, die unsere Zukunft betreffen, wie Bildung, zweimal hinschaut.

derStandard.at: Haben Sie den Jagdschein?

Angerer: Nein, ich habe keinen Jagdschein. Ich werde ihn auch nie machen, ich habe nie vor, auf Tiere zu schießen. (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 14.5.2013)

Andreas Angerer, 23 studiert Wirtschaftsingeneurwesen und zieht für die Grünen in den Tiroler Landtag ein.

  • "Ich werde nie den Jagdschein machen"
    foto: tiroler grüne

    "Ich werde nie den Jagdschein machen"

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