Der Trend zum zweiten Rumpf

9. Mai 2013, 17:54
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Auf Österreichs Seen spielt es sich ab. Über den Traunsee fetzen dieser Tage Katamarane namens GC32, und die Mannschaften pflegen behelmt zu sein. Der America's Cup hat längst den Trend zum Mehrrumpfer lanciert

Gmunden - Die Windsurfer und Kitesurfer aus aller Welt, die zwecks Summer Opening den Neusiedler See geschmückt hatten, sind weitergezogen. Andere sind hergezogen. Gegenwärtig ist die Traunsee-Woche im Gange, rund 250 Boote segeln noch bis Sonntag in diversen internationalen Klassen um Trophäen.

Was die sportliche und technologische Elite betrifft, gab es heuer einen Wechsel. Statt der vom vierfachen America's-Cup-Sieger Russell Coutts entworfenen rund 13 Meter langen Einrumpfer namens RC44, kreuzen Katamarane über den See, der in der Restwelt auf den originellen Namen Lake Traunsee hört.

Zehn Meter Katamarane

Der Katamaran hört auf den Namen GC (Great Cup) 32, ist 32 Fuß und also knapp zehn Meter lang und sechs Meter breit und gibt im Salzkammergut seine Regatta-Premiere. Die Tour umfasst insgesamt acht Stationen, vier liegen an Seen, vier am Meer. Ausgedacht hat sich das Ding der Franzose Laurent Lenne, der sich schlicht zum Ziel setzt, die größte Flotte von mehr als acht Meter langen Rennkatamaranen unter die Menschheit zu bringen. Bis jetzt freilich wurden in der Werft in Dubai erst vier Stück gefertigt, drei davon schwimmen derzeit auf dem Traunsee.

Sechs vierköpfige Teams bewerben sich um den Gesamtsieg, also dienen jeweils zwei auf einem Boot. Hintereinander. Monsieur Lenne, der Erfinder, ist mit seiner Crew klar zu favorisieren. Österreich stellt zwei der Mannschaften, eine wird angeführt vom Zweirumpfspezialisten Andreas Hagara, dem Bruder des zweifachen Tornado-Olympiasiegers Roman. Und das andere vom Vorarlberger Max Trippolt, der im Februar mit einer österreichischen Mannschaft auf einem 45-Fuß-Katamaran beim Youth America's Cup vor San Francisco teilnahm.

Diesen wiederum koordinierten Roman Hagara und sein ewiger Vorschoter Hans-Peter Steinacher, die in der Extreme-40-Klasse mit ihrem 40-Fuß-Katamaran derzeit an dritter Stelle liegen. Andreas Hagara war der erste Österreicher, der als Skipper im America's Cup unterwegs war, im Vorjahr bestritt er mit Team China drei Regatten im Rahmen der World Series. Roman Hagara holte dies vor kurzem unter US-Flagge nach. Und die Trippolt-Crew war am ersten Tag auf dem Lake Traunsee am schnellsten.

Großer Bruder

Die Marke America's Cup mag durch die quälenden Rechtsstreitereien der Milliardäre Larry Ellison (USA) und Ernesto Bertarelli (Schweiz) beschädigt sein, den Trend zum Mehrrumpfer hat sie jedenfalls vorgegeben. Um die älteste Trophäe der Welt, die 1851 erstmals vergeben wurde, wird im September vor San Francisco gesegelt. Auf 72 Fuß langen Katamaranen mit elfköpfiger Besatzung, was nur durch Weltkonzerne als Sponsoren zu finanzieren ist. Jene gehen dafür mehr als 40 Knoten, rund 80 km/h.

Ein GC32, quasi das kleine Brüderlein, ist mit allem Drum und Dran um 220.000 Euro zu haben. Er wiegt nur 750 Kilogramm, eine RC44 beispielsweise bringt dreieinhalb Tonnen auf die Waage, was großteils dem Bleikiel geschuldet ist, den ein Katamaran nicht braucht. Die Rümpfe sind aus Carbon, die s-förmigen Schwerter sorgen dafür, dass der Rumpf rasch aus dem Wasser kommt und Widerstand vermeidet. Das führt dazu, dass schon bei geringen Windgeschwindigkeiten etwas weitergeht.

Haucht der Wind mit fünf Knoten, gleitet der Kat im idealen Winkel mit 15 Knoten übers Wasser. Diese Effizienz lässt sich freilich nicht arithmetisch fortsetzen. Andreas Hagara schätzt, dass bei idealen Bedingungen 35 Knoten möglich sind, knapp 70 km/h. Das Tragen von Helmen ist dringend anzuraten. (Benno Zelsacher, DER STANDARD 10.05.2013)

  • Österreichs Nachwuchsteam mit Max Trippolt (21) am Steuer des GC32. Der fünfte Mann ist Gast (Ballast).
    foto: profss/helmut klein

    Österreichs Nachwuchsteam mit Max Trippolt (21) am Steuer des GC32. Der fünfte Mann ist Gast (Ballast).

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