Strom: Deutschland zapft Österreich weiter an

8. Mai 2013, 09:18
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Um Stromengpässe im Winter zu vermeiden, greifen deutsche Energieversorger auf Reservekraftwerke zurück. Zwei Anlagen stehen in Österreich

Energiewende ist seit der Nuklearkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima im März 2011. das Schlagwort in Deutschland geworden. Im selben Jahr  wurden acht der 17 deutschen Atomkraftwerke geschlossen. Damit es ohne diesen Rückgrat der Versorgung nicht ungemütlich wird, haben Netzbetreiber Verträge über Reservekraftwerke geschlossen. Darunter sind auch zwei Anlagen in Österreich.

Im Winter 2011/12 sind die deutschen Versorger dann auch tatsächlich an ihre Belastungsgrenzen gestoßen. Zwei Mal mussten die heimischen Kraftwerke aktiviert werden. Dagegen wurden die Reserven im eben zu Ende gegangenen Winter 2012/13 zwar ein Mal angefordert, in Wahrheit aber nicht gebraucht, da die im Vorhinein erwartete kritische Situation dann doch nicht eintrat. "Das Wetter ist gnädig gewesen", so Jochen Homann, Präsident der deutschen Bundesnetzagentur, am Dienstagabend bei einem Vortrag in Wien.

Schöpferische Zerstörung

Den großflächigen Umbau der Energieversorgung auf erneuerbare Energieträger und das Schließen der Atomkraftwerke nennt Homann in Anlehnung an den österreichischen Ökonomen Josef Schumpeter schöpferische Zerstörung. Der Umbau gehe rasant über die Bühne, getrieben durch Subventionen der Stromverbraucher. Sie müssten eine Abgabe auf den Strompreis zahlen - in Summe 20 Milliarden Euro. Dafür werde aus erneuerbaren Energieträgern,  im Wesentlichen sind das Sonne und Windkraft, Strom im Marktwert von 2,5 Milliarden Euro erzeugt. Sonne und Wind seien zwar gratis, nicht aber der Kapitalbedarf für den Bau der Anlagen, resümiert Homann. Und weiter: "Ein Unternehmen, das für sein Produkt mit Kosten von 20 Mrilliarden Euro gerade einmal 2,5 Milliarden Euro erlöst, hätte allen Anlass, sein Geschäftsmodell zu überdenken." Er plädiert dafür, die Erneuerbaren an den Markt heranzuführen. Rasch werde das aber nicht gehen, denn wer bisher gebaut hat, hat seine Förderzusage auf 20 Jahre fix. Daran sei nicht zu rütteln.

Damit komme es in Deutschland zu einer Umverteilung von den Haushalten zu denen, die ein Wind- oder Sonnenkraftwert bauen oder auch nur eine Fotovoltaikanlage am Dach haben. Sie haben garantierte Erlöse für ihre Investition. "Die Mieter zahlen die Kosten für die Fotovoltaikanlage der Ärzte und Notare", spitzt es Homann zu. Trotzdem stehe die Gesellschaft mit großer Mehrheit hinter der Energiewende. Unstrittig sei auch, dass Industrieunternehmen mit intensivem Energieverbrauch von der Stromabgabe befreit sind.

Nutznießer sind aber auch die Österreicher. Denn der Stromexport aus Deutschland nach Österreich hat sich seit 2010 verdreifacht und damit kommt der billige Strom auch den österreichischen Verbrauchern zugute. "Felix Austria", sagt Homann. Besonders billig ist der kostbare Energieträger, wenn gerade in einer Zeit mit wenig Strombedarf die Sonne scheint und der Wind weht - da kann der Preis auch negativ werden. "Es ist schwer, den Verbrauchern zu erklären, dass man zahlen muss, um den Strom loszuwerden", räumt Homann ein. Umso mehr, wenn der hoch subventionierte Überschuss dann zu Dumpingpreisen ausgeführt wird. (APA, red, derStandard.at, 8.5.2013)

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    Energiewende wird in Deutschland groß geschrieben.

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