Grenzstreit China - Indien: Großes Spiel am Karakorum

Kommentar6. Mai 2013, 17:55
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Die strategischen Konflikte zwischen China und Indien werden auch nach der Rückverlegung von Truppen bestehen bleiben

Die Rückverlegung chinesischer und indischer Truppen auf einer windigen Hochebene im Himalaya sei eine positive Sache. So sehen es Diplomaten in Peking und Neu-Delhi. Das bedeutet gut Wetter für hochrangige Besuche in Indien und China. Die sollen die bilateralen Beziehungen in Schwung bringen: Beide Länder stellen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung. Sie halten jeweils über zehn Prozent an BIP und Handelsvolumen der Welt, aber untereinander ist der Austausch dürftig.

Das soll sich mit dem Rapprochement ändern. Dennoch bleiben die strategischen Konflikte der beiden aufstrebenden Großmächte bestehen. China spielt wie seinerzeit die Briten ein "Great Game" in der Region: Peking muss Energietransitrouten, Ressourcennachschub und Verkehrswege (die Straße von Malakka ist derzeit Hauptschlagader für Chinas Wirtschaft) diversifizieren. Deswegen hält es sich Indiens Erzfeind Pakistan warm, baut den eben erworbenen pakistanischen Tiefseehafen Gawdar und die Straßenanschlüsse nach Pakistan aus. Auf der anderen Seite haben die Chinesen in Burma Pipelines und Infrastruktur errichtet, um den Zugang zum Indischen Ozean zu haben.

Delhi hält mit Sperrzonen am Himalaya, massiver Aufrüstung seiner Seestreitkräfte und dem Ausbau der Andamanen als Flugzeugträgerinsel im Golf von Bengalen dagegen. Im Vergleich dazu nimmt sich die Militäroperation im Himalaya eher bescheiden aus. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 7.5.2013)

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