Vetternwirtschaft in der CSU: Saludos Amigos!

Kommentar3. Mai 2013, 18:57
31 Postings

Man kommt gar nicht mehr mit dem Aufzählen nach, wer in der CSU einen Verwandten auf Steuerkosten angestellt hat

Saludos Amigos! So begrüßte der damalige bayerische Ministerpräsident Max Streibl (CSU) im Jahr 1993 beim politischen Aschermittwoch seine getreuen Christsozialen. Es war ein trotziger Gruß, denn Streibl fand nichts dabei, dass er sich zuvor (noch als Finanzminister) seine Urlaube von der Industrie sponsern hatte lassen.

Im Mai 1993 musste er deswegen dann als Ministerpräsident zurücktreten, der Begriff "Amigo-Affäre" hat bis heute überlebt. Jetzt, 20 Jahre später, würde Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer am liebsten ausrufen: "Schleichts euch, Amigos!"

Denn fünf Monate vor der bayerischen Landtagswahl und der Bundestagswahl hat Seehofer mit äußerst pikanten Familienbeziehungen zu kämpfen - und diesmal sind es gar nicht die eigenen. Man kommt gar nicht mehr mit dem Aufzählen nach, wer in der CSU einen Verwandten auf Steuerkosten angestellt hat. Es ist eine derartig peinliche Häufung, dass man nur noch den Kopf schütteln kann.

Selbstverständlich ist rechtlich alles korrekt, das wird jetzt von allen Seiten übereifrig betont. Aber es gilt, was so oft zu beobachten ist, wenn Politiker in unsensibler Weise vorgehen: Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim.

Seehofer vor dem Scherbenhaufen

Für Seehofer ist diese Vetternwirtschaft verheerend. Er wollte die CSU und damit auch gleich ganz Bayern moderner machen. Schluss mit den alten Seilschaften, alles sollte transparent sein. Weg von den Spezl'n und der selbstherrlichen Hinterzimmerpolitik, für die sein Vorvorgänger Edmund Stoiber aus dem Amt gejagt wurde.

Jetzt steht er vor einem Scherbenhaufen. Zwar hat Seehofer selbst seinen eigenen Stall wohl sauber gehalten. Aber er hat bei den andern nicht genau hingeschaut - oder von den Vorgängen gewusst und sie laufenlassen.

Die Bürgerinnen und Bürger in Bayern müssen jetzt erkennen: Die Amigos sind nicht zurück, sie waren vielmehr gar nie weg. Im Untergrund existierte das alte hässliche System munter weiter - wohlgemerkt mit Unterstützung der Opposition, die ebenfalls dafür sorgte, dass zumindest der rechtliche Rahmen korrekt war.

Immerhin hat die SPD-Landtagsfraktion die lustige Familienversorgung bereits beendet, während sie bei der CSU munter weiterwuchert. Der Zorn der Bürger wird völlig zu Recht die CSU treffen. Denn sie ist seit Jahrzehnten das System. Sie hat nichts unternommen, um die Praxis zu ändern, und hat am meisten von den Familienjobs profitiert. (DER STANDARD, 4.5.2013)

Share if you care.