"Schlechte Infrastruktur als Wachstumsbremse"

3. Mai 2013, 18:57
47 Postings

Afrika wächst aktuell so schnell wie sonst kaum eine Region der Welt. Die rohstoffreichen Volkswirtschaften sind weiter auf Expansionskurs

Wien - Afrika ist zuletzt eine seltene Ehre zuteilgeworden. Als einzige Region weltweit hat der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington seine Wachstumsprognose für jene Staaten südlich der Sahara angehoben. 6,1 Prozent sollen die afrikanischen Länder 2014 wachsen, mehr als die meisten anderen Schwellenländer und schneller als so mancher asiatische Tiger. Ausgerechnet auf dem ärmsten Kontinent könnte die Wirtschaftsentwicklung "widerstandsfähig" bleiben, schätzen die Ökonomen des IWF.

"Afrikas Wachstum ist von Dauer", ist auch Damian Hattingh überzeugt. Er ist Berater bei McKinsey in Südafrika und hat zuletzt eine Studie zu der wachsenden Mittelschicht auf dem Kontinent gemacht. Er war anlässlich einer Konferenz zu "Globalen Megatrends" auf Einladung des Instituts zur Cooperation bei Entwicklungsprojekten (ICEP) in Wien. Einer dieser Trends, so Hattingh, ist die wachsende Mittelschicht in Afrika. 15.000 Menschen auf dem Kontinent hat Hattingh zu ihren Konsumgewohnheiten und ihrer Wirtschaftseinschätzung befragt. "Die Afrikaner sind extrem selbstbewusst und optimistisch", ist sein Schluss. Mehr als 80 Prozent schätzen, dass es ihnen in zwei Jahren besser oder deutlich besser geht.

Bodenschätze beflügeln Optimismus

Besonders optimistisch sind die Bürger jener Länder, die über Bodenschätze verfügen, etwa in Ghana, Angola oder Nigeria. Diese Volkswirtschaften konnten im Sog der gestiegenen Rohstoffnachfrage aus China oder Indien besonders kräftig wachsen. Doch Hattingh erwartet, dass die Rohstoffsektoren eine immer kleinere Rolle spielen werden - so wie es die Entwicklung im größten Land Afrikas zeige. "Vor wenigen Jahren fußte die Wirtschaft in Südafrika auf dem Diamanten- und Goldgeschäft. Heute machen die Rohstoffe in Südafrika nur noch fünf Prozent der Wirtschaft aus, Industrie- und Dienstleistungssektoren sind heute viel wichtiger."

Ähnliches sei auch in den Ländern südlich der Sahara abzusehen, sagt Hattingh. Bereits heute haben sich in Ländern wie Kenia oder Nigeria große Banken- und Kommunikationssektoren entwickelt. Besonders der Mobilfunksektor ist in diesen Märkten rasch gewachsen. In den vergangenen sieben Jahren sind die Mobilfunkverträge von 90 Millionen auf fast eine halbe Milliarde gestiegen.

Schlechte Infrastruktur bremst

Doch das Wachstum in den Dienstleistungsbranchen und den Rohstoffmärkten darf nicht über den Flaschenhals der afrikanischen Wirtschaft hinwegtäuschen: "Die größte Barriere für Wachstum heute ist die schlechte Infrastruktur", sagt Hattingh.

Nachdem Länder wie Angola und Mosambik jahrzehntelange Bürgerkriege beenden konnten, müssen sie nun in Straßen, Häfen und Bahntrassen investieren. Aufgrund der politischen Konflikte handeln viele afrikanische Länder heute mehr mit Europa oder den USA als mit ihren direkten Nachbarn. "Doch Handel ist für die wirtschaftliche Entwicklung wichtig", sagt Hattingh. "In Subsahara-Afrika gibt es multinationale Infrastrukturprojekte wie Autobahnen, die die Grenzen überwinden helfen." (sulu, DER STANDARD; 4.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Afrikas Länder müssen mehr in Infrastruktur investieren, so wie im südafrikanischen Durban (siehe Bild), um weiterzuwachsen.

Share if you care.