Mobilmachung gegen Patent auf gentechnisch veränderte Schimpansen

3. Mai 2013, 13:00
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Patent umfasst auch andere Säugetier-Spezies mit Gliederfüßer-DNA - NGOs sprechen von "Tabubruch"

München - Etwa ein Dutzend Organisationen hat Einspruch gegen ein europäisches Patent auf gentechnisch veränderte Schimpansen eingelegt. Das Patent EP 1572862 verstoße gegen ethische Grenzen des europäischen Patentrechts, erläuterten die NGOs "Testbiotech" und "Kein Patent auf Leben". Der Einspruch werde von 14.000 Unterschriften unterstützt.

Hintergrund

Das Europäische Patentamt (EPA) hatte das Patent demnach im August 2012 an die US-Firma Intrexon erteilt. Es umfasst neben Schimpansen auch Mäuse, Ratten, Kaninchen, Katzen, Hunde, Rinder, Ziegen, Schweine, Pferde und Schafe. In das Erbmaterial der Tiere wurden DNA-Stücke von Insekten, Zecken und Krabben geschleust. Die genmanipulierten Tiere sollen in der Pharmaforschung eingesetzt werden, etwa bei der Entwicklung von Krebstherapien.

Das EPA hatte 2012 insgesamt drei Patente auf Schimpansen erteilt. Bei einem weiteren Patent für Intrexon (EP1456346) wurden ebenfalls DNA-Stücke von Insekten ins Erbgut geschleust. Beim dritten Patent für eine andere Firma wurde das Immunsystem der Schimpansen dem des Menschen angenähert (EP1409646). Damit sollen Antikörper-Therapien getestet werden. Gegen alle drei Patente wurde damit nun Einsprüche eingelegt. Versuche an Menschenaffen unterliegen laut Christoph Then von "Testbiotech" international strengen Vorschriften. Einige EU-Länder hätten diese bereits verboten.

Die Gegner fürchten, dass das Patent einen kommerziellen Anreiz für mehr Tierversuche bietet. Tiere, vor allem aber Menschenaffen als nächste biologische Verwandte des Menschen, müssten mit mehr Respekt behandelt werden. "Die Erteilung dieser Patente ist ein Tabubruch", sagt Then. "Nie zuvor hat der Mensch versucht, das Erbgut von Menschenaffen regelrecht umzuprogrammieren."

Die Krebsmaus

Insgesamt hat das EPA laut Then rund 1.200 Patente auf Tiere erteilt. Als Präzedenzfall gilt die Krebsmaus. Ihr war ein Brustkrebs-Gen eingepflanzt worden, um Therapien zu testen. Die Bedeutung für die Forschung blieb aber gering. Zum einen hielten vermutlich die Lizenzgebühren Forscher ab, zum anderen hatte das Tier nur ein Krebsgen - bei Brustkrebs können aber Dutzende Gene eine Rolle spielen. Auch auf Menschenaffen gibt es schon mehrere Patente. 2010 wurde laut Then etwa ein Patent auf gentechnisch veränderte Schimpansen, die an Epilepsie leiden (EP1852505), erteilt. (APA/red, derStandard.at, 3. 5. 2013)

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