Lebenslang für Ex-Polizisten in Innsbruck

2. Mai 2013, 21:37
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Bankerin ermordet - Geschworene glaubten nicht an fingierten Überfall und Auswanderungspläne

Innsbruck - Zu lebenslanger Haft wurde Donnerstagabend ein 52-jähriger suspendierter Polizist von einem Geschworenengericht in Innsbruck verurteilt. Das Urteil ist vorerst nicht rechtskräftig.

Dem des Mordes, versuchten Mordes und Widerstands gegen die Staatsgewalt beschuldigten Ex-Polizisten wird vorgeworfen, am 15. März 2012 eine 49-jährige Bankfilialleiterin in einem abgelegenen Waldstück bei Wiesing (Bezirk Schwaz) vorsätzlich getötet zu haben. Erst habe er sie mit Chloroform betäubt und dann mit Benzin übergossen. Anschließend habe er ihr Auto mit zwei Signalfackeln angezündet, doch das Feuer ging aus. Die Frau starb an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Vom Gold fehlt jede Spur

Grund für den Mord waren laut Anklage acht Kilo Gold im Wert von 333.388 Euro, von denen aber jede Spur fehlt. Er und die Bankerin hätten den Goldraub vorgetäuscht, beteuerte der Ex-Polizist im Verfahren immer wieder. Die Frau habe gezielt einen Goldkauf arrangiert, um das Edelmetall nach einem fingierten Überfall zu Geld zu machen, weil sie mit ihm auf Mallorca ein neues Leben habe beginnen wollen. Zeugen zogen das in Zweifel: Der Mann sei zum Tatzeitpunkt anderweitig liiert gewesen.

Als der Ex-Polizist später als Verdächtiger verhört wurde, unternahm er einen Fluchtversuch: Er stahl einem Beamten die Waffe, konnte jedoch überwältigt werden.

Narzisstische Störung

Erschießen habe er seinen Berufskollegen aber nicht wollen, betonte er vor Richterin Verena Offer. Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner attestierte ihm eine narzisstische Störung. Es sei ihm nur um die "Optimierung der eigenen Befindlichkeit" gegangen, weil er "auf dem moralischen Auge blind" sei: Weder könne er sich in andere hineinversetzen noch mitfühlen.

Staatsanwalt Markus Grüner strich in seinem Schlussplädoyer heraus, wie verantwortungsbewusst die tote Bankangestellte gewesen sei. Deren Tochter habe erklärt, dass die Mutter nie aus Tirol habe wegziehen wollen. Wäre das Auto, wie vom Beschuldigten geplant, ganz ausgebrannt, wäre man dem mutmaßlichen Täter zudem nie auf die Spur gekommen.

Gerichtsmediziner Walter Rabl hatte an der verkohlten Leiche der Frau Quetschungen der Unterarme festgestellt. Er schloss daraus, dass die Frau betäubt, ins Auto geschnallt und angezündet worden sei. Verteidiger Hansjörg Mader versuchte in seinem Schlussplädoyer, Zweifel bei den Geschworenen wecken: Es sei seltsam, dass ein Polizist mit pyrotechnischer Ausbildung nicht in der Lage sein sollte, ein Auto abzufackeln. Dass ein Mann mehrere Frauen habe, käme außerdem öfter vor. Nicht alle Männer wären deshalb aber gleich Mörder. (ver, DER STANDARD, 3.5.2013)

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