Ein "echtes Konsumentenproblem"

7. Mai 2013, 16:23
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Die Grenzen der Marktlogik bei den Hochschulen Großbritanniens

Das erste akademische Jahr, in dem britische Universitäten bis zu 9000 Pfund (umgerechnet rund 10.680 Euro) an Studiengebühren per anno verlangen dürfen, neigt sich dem Ende zu, dennoch ist kein Schwinden der Angespanntheit an Großbritanniens Hochschulen in Sicht.

Bei den Wahlen zur Präsidentschaft der University of London Union (ULU) im März lockten ausnahmslos alle Kandidaten mit dem Wahlzuckerl "fight fees", das eine buchstäbliche Kampfansage an die Studiengebühren meint. Das Hochschulsystem Großbritanniens ist radikal im Umbruch, mit teilweise paradoxen Konsequenzen.

Notbremse statt unsichtbarer Hand

So hat sich heuer das britische Universities & Colleges Admissions Service (UCAS) erstmals dazu entschlossen, keine Statistiken über die Bewerberzahlen der Universitäten zu veröffentlichen. Wie bisher jedes Jahr wären die Zahlen am 15. Jänner, zur Bewerbungsfrist der meisten Hochschulen, bekanntgegeben worden. Die UCAS kündigte allerdings nun eine spätere Veröffentlichung der Zahlen an: kommenden Herbst.

Bei der UCAS liegt keine Entscheidungsmacht, sie fungiert lediglich als Drehscheibe zwischen künftigen Studierenden und den Hochschulen. Ihre Aufgabe ist es, als zentralisiertes Institut die Bewerbungen der Studienkandidaten an die bis zu fünf vom Bewerber auserwählten Universitäten im Land zu verteilen. Doch warum hat die UCAS dieses Jahr die Notbremse gezogen?

Das Institut rechtfertigt den Schritt damit, dass in Zusammenhang mit der neuen Regelung der Studiengebühren die Veröffentlichung der Daten " mögliche Unbeständigkeit in Angebot und Nachfrage" hervorrufen könnte. Kurzum: Die Statistiken wurden zurückgehalten, um zu verhindern, dass Trends durch sie verstärkt werden und im Extremfall Studienrichtungen nicht zustande kommen. Davon profitieren in erster Linie Hochschulen, deren Bewerberzahlen sich bisher stetig im Sinken befanden. Im Nebel bleibt für die am Studium interessierten, ob sie das richtige Fingerspitzengefühl bei ihrer Bewerbung haben.

Die Kritik fügt sich in die Marktwirtschaftslogik ein. Ein "echtes Konsumentenschutzproblem" liege vor, sagte Dennis Farrington, Gutachter für Hochschulgesetz, im März zum Guardian. Schließlich wäre es "sehr zweifelhaft, ob jemand insgesamt 27.000 Pfund dafür ausgeben würde, an einer erfolglosen Institution ausgebildet zu werden". Für ihn ist dies eine Beschneidung des freien Markts durch das UCAS. (Bath-Sahaw Baranow, DER STANDARD, 3.5.2013)

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