Keine moderne Krebs-Therapie ohne Pathologie

30. April 2013, 15:33
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Im Laufe eines Jahrhunderts hat sich der Fokus der Pathologie vom Seziersaal ins molekulare Labor verschoben

Der Brustkrebs ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung der Frau und betrifft jährlich etwa 5.000 Österreicherinnen. Beinahe jede zehnte Österreicherin hat das Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken.

Früherkennung und verbesserte Therapie stellen die Grundpfeiler für ein verbessertes Überleben dar. Die moderne Therapie des Brustkrebses ist ohne Pathologen undenkbar, da diese die histologische (feingewebliche) Diagnose nach einer Biopsie (Gewebeentnahme) stellen. Eine Tatsache, die auf der Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie (ÖGP) vom 18. bis 20. April in Wien diskutiert wurde.

 

Molekulare Klassifikationen

Mit modernen Untersuchungsmethoden am Gewebeschnitt führen die Pathologen zusätzlich molekulare Klassifikationen durch, die wesentlich über das weitere therapeutische Vorgehen entscheiden. Je nachdem wie hoch der Gehalt an Östrogen- und Progesteronrezeptoren und Her2/neu im Tumor ist, wird eine endokrine Therapie, eine Chemotherapie oder eine Kombination aus beidem zur Bekämpfung des Karzinoms angewandt.

Zunehmend von Bedeutung für die Entscheidung für eine Chemotherapie ist der Gehalt an Ki-67, das proliferierende Zellen (im Zellzyklus) nachweist. Diese Fragestellungen sind nicht nur für eine effektive Bekämpfung des Tumors wichtig, sie helfen auch, Kosten zu sparen.

Therapie-entscheidende Rolle auch bei Lungenkrebs

Lungenkrebs ist eine der häufigsten Krebstodesursachen, insbesondere durch seine meist späte Diagnosestellung im fortgeschrittenen Stadium. Für den schlecht chemo-sensiblen nicht-kleinzelligen Lungenkrebs gab es bis vor wenigen Jahren keine wirksame Behandlung. Daher wird in die Entwicklung neuer Medikamente, wie sie für den Brustkrebs schon seit längerer Zeit eingesetzt werden, große Hoffnung gesetzt.

Diese neuen Therapieformen ähneln der anti-Her2 Therapie beim Mammakarzinom: Sie greifen über bestimmte Moleküle in wesentliche Funktionen der Zelle ein und beeinflussen diese entscheidend, indem sie zum Beispiel deren Zellwachstum stoppen. Damit unterscheiden sie sich ganz wesentlich von einer Chemotherapie, die potenziell jede sich teilende Zelle angreift und somit enorme Nebenwirkungen nach sich zieht.

Molekularpathologie als Grundlage für die Onkologie

Die Aufschlüsselung des Genoms von Tumorzellen und der Nachweis bestimmter genetischer Veränderungen ist bereits eine der wesentlichen Grundlagen für eine moderne Tumortherapie, denn in vielen Fällen genügt es nicht mehr, eine Tumordiagnose unter dem Mikroskop zu erstellen.

Das genetische Erscheinungsbild eines Tumors gibt Aufschluss darüber, welche Therapie zum optimalen Ergebnis führen wird. So sprechen etwa bestimmte Formen des Dickdarmkrebses weniger gut auf eine bestimmte Chemotherapie an, Dickdarmkarzinome mit Mutationen im K-RAS Gen sind wiederrum nicht geeignet für eine Therapie die den EGF Rezeptor blockiert. Mittels molekularer Tests am Tumorgewebe kann der Dickdarmkrebs dahingehend genau charakterisiert werden.

Im Laufe eines Jahrhunderts hat sich der Fokus der Pathologie somit vom Seziersaal in das molekulare Labor verschoben. Pathologen erkennen und diagnostizieren Tumore und führen im Anschluss die weiterführenden molekularen Klassifikationen durch. Die Voraussetzungen für eine grundlegende Expertise im molekularen Testing seien für Pathologen geradezu ideal, betont die ÖGP, denn kein anderes Fach vermöge die Synthese von histologischen und molekularen Veränderungen in gleicher Weise zu schaffen. (red, derStandard.at, 30.4.2013)

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