Dayli: "Kein Sonntag, keine Jobs"

24. April 2013, 12:21
255 Postings

Die Handelskette rudert zurück. Die Politik schmiedet eine Lex Dayli. Die Front gegen liberalere Öffnungszeiten bleibt hart

Wien - Dayli sieht sich im Kampf um die Sonntagsöffnung als Opfer der Gewerkschafter und spielt die Jobkarte aus. 800 Mitarbeiter hätte er heuer aufgrund des Aufsperrens an sieben Tagen die Woche eingestellt, sagt Rudolf Haberleitner, Chef und Miteigentümer der Drogeriekette. Daraus werde nun definitiv nichts. An die 3.000 neue Stellen wollte er in Österreich bis Jahresende schaffen: Jetzt würden es wohl 2.000 weniger sein.

Die Kampagnen der Sozialpartner gegen Dayli hätten ihm einen finanziellen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe verursacht - es sei fraglich, ob er heuer deswegen noch wie geplant Gewinne erzielen könne. Pralle die Gewerkschaft mit ihren Klagen gegen das Unternehmen vor Gericht ab, wovon er ausgehe, wie er sagt, werde er den Schaden geltend machen.

Flut an Anzeigen

Dayli sperrt an den Sonntagen künftig wieder zu. Ein Dutzend Filialen hielt kurzzeitig offen, was der Kette eine Flut an Anzeigen einbrachte. Die Ausweitung ihres Konzepts auf 60 weitere Shops in den kommenden vier Wochen, die Haberleitner ankündigte, ist gestoppt. Hälfteeigentümer Novomatic gab in einer knappen Mitteilung bekannt, dass davon so lange Abstand genommen werde, bis die Rechtslage eindeutig geklärt sei.

Er wolle "mit dieser Lösung zur Versachlichung der aufgeheizten Diskussion und zum Wohl der mehr als 3800 Mitarbeiterinnen beitragen", teilte Franz Wohlfahrt, Generaldirektor des Glücksspielkonzerns, mit. Haberleitner sagt, er führe keine Kampflinie, die Initiative zum Einlenken sei von ihm selbst gekommen. "Lug und Trug" sei, dass er alle Dienstverhältnisse auf den Gastro-Kollektivvertrag umstellen wollte. Davon betroffen wären nur Bistro-Mitarbeiter gewesen - diese hätte er gleich entlohnt wie ihre Handelskollegen.

Für Gewerkschafter Karl Proyer ist die Jobkeule unzulässig: Haberleitner mache seit Monaten reine Ankündigungspolitik. Jobs außerhalb des Rechtsrahmens zu schaffen sei nicht möglich. Dann könne jeder behaupten, er sichere Arbeitsplätze, auch wenn er seinen Leuten nur die Hälfte bezahle.

Gastronomiekonzession

Haberleitner sah seine Chance für die Sonntagsöffnung in einer Gastronomiekonzession. Um einen langen Rechtsstreit zu verhindern, schiebt die Politik der Sache einen Riegel vor und verschärft die Gewerbeordnung, wie die Salzburger Nachrichten berichten.

Kleine Betriebe wie etwa Kebabstände mit angeschlossenem Lebensmittelgeschäft sind davon jedoch nicht betroffen, die bisherige urbane Infrastruktur bleibe unberührt, erfuhr der Standard aus Verhandlungskreisen. Ziel sei zu unterbinden, dass sich große Handelsketten "mit einem Kaffeeautomaten" rechtlich zum Gastwirt machten, was ihnen längere Ladenöffnungszeiten und günstigere Mitarbeiter erlaubt. Experten sprechen von einer Lex Dayli, verweisen aber darauf, dass sich der Fall eigentlich auch mit dem bestehenden Gesetzesrahmen lösen ließe. Die neue rechtliche Formulierung soll diese Woche stehen.

Österreich habe sich beim Thema Öffnungszeiten auf Ausnahmeregelungen spezialisiert, kritisiert der Rechtsanwalt Georg Zanger. Die sauberste Lösung aus seiner Sicht wäre die Aufhebung der Sperrzeiten und einheitliche Regelungen. Die Front gegen den offenen Sonntag bleibt aber unvermindert hart. Daylis Rückzieher sorgte quer durch die Parteien für Erleichterung. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 25.4.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Imbissecke hat es in sich. Handelsketten sehen sich damit zum Gastronomen werden - was ihnen offene Sonntage und günstigere Mitarbeiter erlauben soll. Die Politik reagiert.

Share if you care.