"Integration ist von Ausländern auch einzufordern"

Interview22. April 2013, 18:30
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Der Tiroler FPÖ-Chef Gerald Hauser bezeichnet sich als Sachpolitiker, der im Gegensatz zu Strache ein "echter Tiroler" sei

STANDARD: Sie sind beim freiheitlichen Wahlkampfauftakt offensichtlich zusammengezuckt, als FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache den amtierenden Landeshauptmann der ÖVP, Günther Platter, attackiert hat. Dieser sei ein " Schwachmatiker", was er in seiner Zeit als Innenminister bewiesen habe. Nicht seiner Meinung?

Hauser: Ich bin Gerald Hauser und nicht Heinz-Christian Strache. Ich bin der einzige direkt gewählte freiheitliche Bürgermeister in Tirol. Ich habe meinen eigenen persönlichen Stil. Und ich bin vor allem Sachpolitiker. Und werde nicht persönlich.

STANDARD: Noch gut in Erinnerung sind die Proteste gegen marokkanerfeindliche Wahlplakate im Innsbrucker Gemeinderatswahlkampf, die mit einer nicht rechtskräftigen Verurteilung wegen Verhetzung für den damaligen Spitzenkandidaten August Penz geendet haben. Derzeit wird nicht ganz so deftig plakatiert, warum damals?

Hauser: Mir geht es darum, dass man wichtige Themen für die Bevölkerung auch anspricht. Es gibt definitiv ein Drogenproblem in Innsbruck und auch ein Marokkanerproblem. Dieses war auch bereits Thema in parlamentarischen Anfragen. Diese Probleme dürfen nicht unter den Tisch gekehrt werden. Jeder, der dealt, ist kriminell, und dagegen ist vorzugehen. Und in diesem Wahlkampf sind wir die einzige Partei, die das Thema Sicherheit anspricht. Und mit Rudi Federspiel auf Listenplatz Nummer zwei haben wir eine Persönlichkeit, die seit Jahren für Sicherheit steht, immerhin wird er "Law-and-Order-Rudi" genannt.

STANDARD: Was verbindet Sie als - wie Sie selbst sagen - ruhigen Pragmatiker mit Heinz- Christian Strache? Strache fällt ja meist eher mit deftigen Aussagen auf.

Hauser: Ich bin ein wahrer Freund von Strache. Trotzdem ist aber auch jeder unterschiedlich. Ich bin ja auch ein echter Tiroler und kenne die Mentalität, die Wünsche und Stimmungen der Menschen in Tirol. Als Sachpolitiker habe ich in der Politik aber auch immer wichtige Themen angesprochen. Allerdings werde ich nicht persönlich. Gemeinsam ist Strache und mir aber sicher, dass wir beide Wahlen gewinnen wollen. Und wir sind beide erfolgreich. Aber jeder hat eben seinen eigenen Stil. Wichtig ist es aber, als Politiker authentisch zu sein und zu bleiben.

STANDARD: In der Tiroler FPÖ wurde und wird immer gerne gestritten, man trennt sich und vereint sich wieder. Es gab unter Ihrer Obmannschaft auch einige Ausschlüsse. Kurz vor der Wahl 2013 haben Sie Rudi Federspiel, der bereits bei der FPÖ war, aber auch bereits auf einem Ticket der ÖVP im Landtag saß, zurück in Ihr Team geholt. Was ist Ihr Wahlziel, neu geeint?

Hauser: Wir möchten stärker werden. 2008 lagen wir bei 12,4 Prozent. Alles, was mehr ist, ist für mich sehr gut. Prinzipiell wäre es aber schön, zweitstärkste Partei zu werden.

STANDARD: Möchten Sie als zweitstärkste Partei auch regieren?

Hauser: Nicht prinzipiell und um jeden Preis. Mir geht es auch nicht um ein Dienstauto. Der Stillstand in Tirol muss einfach beendet werden. Das System der ÖVP-Freunderlwirtschaft soll mit der FPÖ überwunden werden. Mir geht es um Inhalte. Etwa im Bereich der Einkommen. Die sind in Tirol sehr niedrig, die Preise jedoch sehr hoch. Auch Wohnen muss leistbar werden. Das sagt interessanterweise auch der Regierungspartner SPÖ, obwohl sie seit Jahren für Wohnen ressortmäßig zuständig ist. Die SPÖ sagt jetzt vor der Wahl, was sie tun will. Das soll wohl eine Art Selbstanklage sein. Auch die SPÖ gehört abgelöst. Und das Thema Agrargemeinschaften muss gelöst werden. Wir fordern, dass ehemalige Gemeindegründe zurückgegeben werden. Da mauert die ÖVP. In der letzten Landtagssitzung verhinderten 16 ÖVP-Mandatare gegen 20 Mandatare anderer Parteien, dass eine Abstimmung über ein Gesetz auf die Tagesordnung kam. Das sind russische Verhältnisse.

STANDARD: Ein Lieblingsthema Ihrer Partei sind die Ausländer. Ihr Salzburger Kollege Karl Schnell fürchtet die "drohende Umvolkung" und wurde für den Begriff kritisiert. Heinz-Christian Strache sprach dann von einer Furcht vor "Bevölkerungsumtausch". Wie lautet Ihr Begriff für die Ängste der FPÖ vor zu viel Zuwanderung?

Hauser: Die Begrifflichkeiten kenne ich nicht. Uns geht es um Integration. Und diese Integration ist von den Ausländern auch einzufordern. Das ist auch eine Bringschuld. Wir haben überhaupt nichts gegen Personen, die zuwandern. Und die dann auch Deutsch lernen und sich in unsere Gesellschaft integrieren. Was wir aber gar nicht wollen, sind Parallelgesellschaften von Ausländern, die sich weigern, Deutsch zu lernen, und die sich nicht integrieren und auch nicht arbeiten wollen. (Verena Langegger, DER STANDARD, 23.4.2013)

Gerald Hauser (51) schaffte für die FPÖ 2008 12,4 Prozent und damit vier Mandate im Landtag. Seit 2010 ist er Bürgermeister von St. Jakob in Defereggen. Innerparteiliche Streitereien gipfelten 2010 mit zahlreichen Ausschlüssen. Hauser ortete damals eine Meuterei, während er wegen einer schweren Krankheit politisch pausieren musste.

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    "In der letzten Landtagssitzung verhinderten 16 ÖVP-Mandatare gegen 20 Mandatare anderer Parteien, dass eine Abstimmung über ein Gesetz auf die Tagesordnung kam. Das sind russische Verhälnisse."

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