"Einschüchterungen, Bedrohungen, Verfolgungen"

22. April 2013, 15:38
1 Posting

Lebensgefährliche Arbeitsbedingungen in Honduras für Medienarbeiter, Ö1-Beitrag irritiert

Wien – Ein Ö1-Beitrag des Reisemagazins Ambiente sorgt für Irritation unter Menschenrechtsbeobachtern. In dem Beitrag werden  Vorzüge des Landes für Besucher gelobt, Honduras sei "ein heller Fleck auf der touristischen Landkarte", informiert die Sendungshomepage. Der Bericht belebt das Idyll der kleinbäuerlichen Gemeinschaft auf  dem Land. "Ambiente versucht das wiederzugeben, was man als Reisender wahrnimmt, der informiert ist", sagt Sendungschefin Silvia Lahner auf Standard-Anfrage.

Dina Meza kennt Honduras anders. "Einschüchterungen, Bedrohungen, Verfolgungen", erlebte  die Journalistin nach einer Recherche im Bajo Aguán. Großgrundbesitzer eigneten sich dort Land widerrechtlich an. Die Kleinbauern sind wehrlos. Meza berichtete bei internationalen Konferenzen über die Situation: "Kurz darauf erhielt ich Textnachrichten, die mir mit Vergewaltigung drohten", sagt Meza. Sie berichtet von weiteren Drohungen und Verfolgungen.

Weltweit höchste Mordrate

27 Journalisten wurden in den letzten drei Jahren in Honduras ermordet, mindestens 50 Medienarbeiter sind derzeit mit dem Tod bedroht. Aber nicht nur für Medienarbeiter ist Honduras lebensgefährlich. Das Land weist die weltweit höchste Mordrate auf. Alle 74 Minuten wird ein Mensch ermordet. Seit Jahresbeginn 2013 gilt die Stadt San Pedro Sula als  gefährlichste Stadt der Welt. Das Außenministerium verweist auf "hohe Sicherheitsgefährdung".

Medienbehörde kontrolliert

Nach dem Putsch 2009 gegen den Linken Manuel Zelaya teilen zehn Familienclans den Besitz untereinander auf. Die Militärregierung kontrolliert die Medien. Lizenzen von kritischen Bürgerradios werden nicht mehr verlängert. Die Presse ist in der Hand von Politik und Unternehmern. Meza tourt durch Europa, um auf die dramatische Situation hinzuweisen, und war auf Einladung von Reportern ohne Grenzen in Wien.

Im November 2013 finden Wahlen statt. "Die Gewalt gegen Journalisten wird sich weiter verschärfen", ist Meza pessimistisch. "Die Verfolgung wird unverschämter. Das sind schlechte Vorzeichen."

Eine Absage bekamen Journalistin Nina Kreuzinger und Menschenrechtsbeobachterin Andrea Lammers vom ORF. Die beiden  schrieben nach Recherchereisen mehrere Redaktionen an, auch Ö1: "Wir werden das Thema nicht aufgreifen", war die Antwort. Der Bürgersender Okto sprang ein: Am 27. April steht ein Schwerpunkt über Honduras auf dem Programm, darunter Wo der Tod Teil der Landschaft ist von Nina Kreuzinger. (Doris Priesching, DER STANDARD, 23.4.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Honduranische Journalisten demonstrieren gegen die schlechten Arbeitsbedingungen.

Share if you care.