Kapitalerhöhung soll Porr attraktiver machen

12. April 2013, 17:37
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Stamm- und Vorzugsaktien werden verschmolzen - Konzentration auf Heimmarkt

Wien - "Normalerweise halte ich die Bilanzpressekonferenzen auf Baustellen von uns ab, das war bei Peek & Cloppenburg so, beim Palais Liechtenstein, aber das Motel One in der Friedrichstraße ist noch zu sehr Baustelle", sagte Porr-Chef Karl-Heinz Strauss. Am Freitag lud er ins neue Kempinski, wo das Hotel fertig ist und von den 17 Wohnungen am Dach bereit 13 verkauft seien.

Stolz präsentiert der Miteigentümer der Baufirma, dass im Vorjahr der größte Auftragsbestand in der 144-jährigen Geschichte erzielt wurde. Nach einem dividendenlosen Jahr sollen die Aktionäre für 2012 mit 1,25 Euro je Aktie entschädigt werden. 2010 waren es nur 55 Cent.

Kein Spielball

An der Börse ist die Porr bisher kaum aufgefallen: Der Streubesitz ist minimal (acht Prozent), weshalb auch kleine Aktientransaktionen große Kursausschläge bewirken. "Wir wollen, dass der Kurs nicht zum Spielball wird", sagte Strauss. Dass soll sich bald ändern. Strauss will, dass der Streubesitz nach einer Kapitalerhöhung auf zehn oder 20 Prozent steigt. Er selbst und der Tiroler Unternehmer Klaus Ortner halten 75 Prozent an der Porr. Seit dem Vorjahr bilden beide ein Syndikat. Dieses ist zehn Jahre unkündbar. Ortner und Strauss wollen mit ihrem Anteil auch nach der Kapitalzufuhr nicht unter 52 Prozent gehen.

Im Zuge der Kapitalerhöhung sollen auch die Porr Stamm- und Vorzugsaktien sowie die Kapitalanteilscheine zusammengeführt werden. Künftig soll es nur mehr Stammaktien geben.

Großes vor hat die Porr Umwelttechnik mit dem jüngst erworbenen Braunkohlekraftwerk Voitsberg (Steiermark), das der A-Tec des früheren Industriellen Mirko Kovats gehörte. Die Porr will die drei Blöcke innerhalb von 18 Monaten abbrechen und verwerten. Man erwarb das Kraftwerk um vier Millionen Euro, weil es keiner wollte, sagte Strauss und jetzt sei das Echo auf die Einzelteile enorm.

Betriebsansiedlung

Die Angebote für Holz, Stahl und Schrott des Kraftwerkes übertreffen ein Vielfaches des Kaufpreises. Noch vorhanden: ein 24 Hektar großes, gut erschlossenes Grundstück, wo eine Betriebsansiedlung angedacht sei. "Wir kaufen es, und zerlegen es nun mit viel Know-how", erläuterte Strauss.

Nachgelassen hat das Interesse an der Hazetbau, einer Tochter der ins Trudeln geratenen Alpine. Nach der Due Diligence sei man zum Schluss gekommen, dass die Firma nicht zur Porr passe.

Die Porr wird sich künftig auf die Heimmärkte Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen und Tschechien konzentrieren, wo sie mit allen Produkten und Dienstleistungen in der Fläche vertreten ist und etwa 90 Prozent der Bauleistung erzielt. Im restlichen Zentral- und Südosteuropa wird der Baukonzern nur noch projektbezogen aktiv. Allein im deutschsprachigen Raum absolviert die Porr mehr als 80 Prozent der Produktionsleistung.

Das operative Ergebnis wurde im Vorjahr (nach minus 40,5 Million Euro in 2011) auf plus 53,8 Mio. Euro verbessert. Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn von 18 Mio. Euro - nach einem Verlust von 70,2 Mio. Euro 2011. Die Umsatzerlöse stiegen um 4,6 Prozent von 2,21 Milliarden auf 2, 32 Mrd. Euro. (cr, DER STANDARD, 13.4.2013)

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