Antisemitische Gewalt stieg 2012 um 30 Prozent

7. April 2013, 15:55
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Vorfälle vor allem in Ländern mit großen jüdischen Gemeinden - Studie in Tel Aviv präsentiert

Jerusalem - Eine wissenschaftliche Studie mit alarmierenden Zahlen über weltweit zunehmende antisemitische Gewaltakte ist am Sonntag in Tel Aviv veröffentlicht worden. Das auf die globale Beobachtung von Antisemitismus spezialisierte Kantor Center der dortigen Universität registrierte für das vergangene Jahr eine Zahl von 686 Gewaltakten gegen Juden oder jüdische Einrichtungen. Dies bedeute eine Steigerung um 30 Prozent gegenüber 526 antisemitische Vorfälle in 2011.

273 Angriffe gemeldet

Im Jahre 2012 seien 273 Angriffe auf Personen jeglichen Alters gemeldet worden, darunter 50 mit Waffengewalt. Zudem wurden 190 Synagogen, Friedhöfe und Gedenkstätten geschändet. Die Tatorte lägen vor allem in Ländern mit vielen jüdischen Einwohnern, also Frankreich, USA, Großbritannien, Kanada und Australien.

Anschlag in Toulouse

Drei Faktoren seien ursächlich für die starke Zunahme der Gewaltakte: Der islamistische Mordanschlag auf Schüler und Lehrer einer Torah-Schule in Toulouse habe in Frankreich die Hemmschwelle bei Antisemiten gesenkt. Infolge der Wirtschaftskrise seien in Ungarn, Griechenland und Ukraine rechtsextremistische Parteien in den Parlamenten gestärkt worden, die öffentlich Hetzreden gegen die Jüdischen Gemeinden hielten. Auch die zugespitzte Lage um den Gazastreifen im November habe zu einem - zeitlich allerdings begrenzten - Anstieg von Angriffen auf Juden und jüdische Institutionen geführt.

Gedicht von Grass

Einen langen Passus widmet die Studie den Debatten in Deutschland um ein Gedicht, in dem Günter Grass die Iranpolitik der israelischen Regierung kritisierte, und um die Bezichtigungen des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles, die Kommentare des Publizisten Jakob Augstein seien antisemitisch. Die Tel Aviver Wissenschafter beschränken sich allerdings darauf, die unterschiedlichen Positionen bei der exakten Abgrenzung von politischer Israelkritik und Antisemitismus darzustellen. (APA, 7.4.2013)

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