Langer Winter setzt Singvögeln besonders zu

2. April 2013, 13:32
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Es wurden bereits hunderte tote Singvögel gefunden - Experten empfehlen, die Fütterung fortzusetzen

Der Winter scheint in diesem Jahr nicht zu enden. Auch den Tieren setzt die Kälte zu. Besonders hart trifft es im Moment die Zugvögel: Aufgrund der milden Winter in den vergangenen Jahren kehrten viele Arten heuer sehr früh zurück. Denn nur wer  früh ein Revier und einen Brutplatz besetzt, hat Chancen auf Nachwuchs. Doch anhaltender Frost, eine geschlossene Schneedecke und starker Wind werden für bereits geschwächte Zugvögel zur Todesfalle. Experten warnen nun davor, dass der sogenannte Zugstau zu noch gröberen Problemen führen wird.



esonders hart trifft es nun die Zugvögel, denn die kehren aufgrund der milden Winter in den letzten Jahren bereits sehr früh zurück. Nur wer möglichst früh sein Revier und den Brutplatz besetzt, wird sich erfolgreich Paaren. Dieses Jahr wurde die frühe Rückkehr jedoch zur Todesfalle für viele tausend Zugvögel

Zugvögel überleben anhaltende Kälte nicht

Bislang kam der Zugstau bei Drosseln, Finken und Rotkehlchen immer wieder vor. Dabei ziehen Vögel nicht nach Norden weiter, sondern verbleiben kurzzeitig in großen Trupps bei einer Etappe ihrer Reise. "Bei unerwarteter Kälte oder Schneefall sitzen die Vögel diese meistens nur drei bis vier Tage anhaltende widrige Wetterlage einfach aus", sagt Gerald Pfiffinger von Birdlife Österreich.


Singdrossel neben erfrorenem Rotkehlchen.

Doch setzt nicht bald Tauwetter ein, bedeutet diese Strategie für viele Zugvögel den sicheren Tod. Die Mittel- und Kurzstreckenzieher wie die Singdrossel sind bereits zu geschwächt, um wieder umzukehren oder weiterzufliegen. Bei der fatalen Kombination von außergewöhnlich lang anhaltendem Frost, Schneefall und mangelndem Futter geht den Vögeln beim kräftezehrenden Zug die Energie aus.

Bereits hunderte tote Vögel gefunden

Hunderte tote Singdrosseln wurden bereits in der Steiermark und in Niederösterreich gefunden. "Besonders betroffen sind Buchfinken, Rotkehlchen, Hausrotschwänze und Singdrosseln. Sie suchen vergeblich an den schneefreien Straßenrändern nach Nahrung und fallen dabei oft dem Verkehr zum Opfer", sagt Pfiffinger. Darüber hinaus gibt es aber auch zahlreiche Meldungen von toten Vögeln, die offensichtlich einfach verhungert sind.


Eine Blaumeise.

Kaum Insekten verfügbar

In dieser Form haben das auch Vogelkundler wie Hans-Martin Berg vom Naturhistorischen Museum Wien hierzulande noch nicht erlebt: "Drosselvögel sind offensichtlich besonders betroffen. Sie brauchen Insekten, die derzeit kaum verfügbar sind, oder Früchte, und diese sind nach so einem langen Winter Mangelware. Auch der Boden ist schneebedeckt oder zu stark gefroren, um hier nach Regenwürmern suchen zu können."

In der Wissenschaft sind wetterbedingte Verluste bei Schwalben und Kiebitzen bekannt. "Derartige Verluste bei Zugvögeln gibt es leider immer wieder im Frühjahr wie im Herbst, doch das derzeit auffällige Drosselsterben ist sicher ungewöhnlich", sagt Berg.

Ein bescheidene Abhilfe bietet das eigene Futterhaus: "Ergänzend zum Körnerfutter kann man Rosinen oder Mehlwürmer anbieten, die werden gerne von den Weichfutterfressern angenommen", empfiehlt Gerald Pfiffinger von Birdlife. Experten wie der deutsche Ornithologe Peter Berthold raten sogar zur ganzjährigen Fütterung. In einem Buch, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau geschrieben hat, gibt er Auskunft über richtiges Futter und Vogelhaus.


Bislang gibt es zu wenige Insekten, damit die Singvögel ihren Energiebedarf decken könnten.

Viele Tiere bereits aus Winterruhe erwacht

Auch andere Tiere sind zurzeit gefährdet: Weil die Tage immer länger werden und die Temperaturen in den vergangenen Tagen stark gestiegen sind, sind auch viele Wildtiere bereits aus ihrer Winterruhe aufgewacht. Viele Insekten, zum Beispiel Hummeln, erwachen aus ihrer Winterstarre, sobald die Temperatur für wenige Tage bei fünf Grad liegt.

"Um wieder ihre normale Körpertemperatur zu erreichen, bewegen Hummeln ihre Flügel extrem schnell. So entsteht genügend Wärmeenergie", sagt Sonja Weinand, Sprecherin des Vereins Pfotenhilfe. Bei den derzeitigen winterlichen Temperaturen knapp über null Grad haben es die Insekten jedoch schwerer, die nötige Energie aufzubringen.


Diese Hummel erfreut sich bereits am Frühling.

Igel, Kröten und Fledermäuse werden nun wieder aktiv. Igel haben über die Wintermonate ein Drittel ihres Körpergewichts verloren. Deshalb müssen sie nun möglichst viel Futter suchen, um wieder zu Kräften zu kommen. Um sich vor der Kälte zu schützen, ist ein geeigneter Unterschlupf wichtig. Ein Laubhaufen im Garten kann also im Moment Leben retten. (jus, derStandard.at, 2.4.2013)

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