Gicht: Gefahr für Herz und Nieren

27. März 2013, 15:10
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Laut Experten kann eine fettarme Ernährung, die gleichzeitig das Körpergewicht kontrollieren hilft, das Gicht-Risiko senken

Regensburg - Die Folgen eines hohen Harnsäurespiegels im Blut werden vielfach unterschätzt, denn bis zum Ernstfall verursacht die Krankheit kaum Beschwerden, berichtet der deutsche Onlinereportagedienst obx-medizindirekt.

Der normale Harnsäurewert des Blutes beim Menschen liegt zwischen 2 und 4 mg/dl. Steigt dieser Wert auf über 6,4 an, kann es zur Bildung von Harnsäurekristallen kommen, die von den Leukozyten im Blut in den Gelenken der Füße und Hände, später auch im Weichteilgewebe, in der Augenlinse sowie in der Niere abgelagert werden.

Ernährungsgewohnheiten als Trigger

Von der Gicht betroffen sind hauptsächlich Männer. Die Gründe dafür sind noch nicht ausreichend geklärt. Es wird aber vermutet, dass Frauen durch ihre weiblichen Hormone besser geschützt sind, und dass mitunter primär männlich assoziierte Ernährungsvorlieben die Krankheit fördern - wie etwa das Essen von Fleisch und das Trinken von Alkohol, speziell von Bier. Bei Frauen wird Gicht vor allem nach den Wechseljahren häufiger diagnostiziert.

Harnsäure ist  Endprodukt des so genannten Purinstoffwechsels, bei dem Eiweißbaustoffe verarbeitet werden. Jede Körperzelle lässt beim Aufbau der Zellkerne Purine entstehen. Das heißt auch:  Übergewicht verstärkt das Problem, denn je mehr Zellen vorhanden sind, desto mehr Purine werden produziert.

Zusätzlich nimmt jeder Mensch mit der Nahrung Purine auf. Am gehaltvollsten sind Fleisch und Fischprodukte, vor allem Innereien wie Bries, Herz, Leber und Nieren, Geflügel wie Gans und Huhn, Fische wie Ölsardinen, Sprotten, Bückling sowie Schalentiere wie Hummer oder Muscheln. Auch pflanzliche Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte sind purinreich.

Alkohol fördert Gicht

Besonders gichtfördernd ist Alkohol, denn er vermindert die Fähigkeit der Niere, Harnsäure auszuscheiden. Normalerweise werden rund 20 Prozent der Harnsäure mit dem Darminhalt und 80 Prozent über die Niere entsorgt. Bier ist doppelt schädlich, denn neben der Alkoholwirkung enthält es auch Purine. Deshalb können auch alkoholfreie Biere einen Gichtanfall auslösen.

Dass erhöhte Harnsäurewerte nicht nur zu Gelenkschmerzen führen, sondern auch einen eigenständigen Risikofaktor für Herz und Gefäßkrankheiten darstellen, gilt seit wenigen Jahren als erwiesen. Nach Untersuchungen amerikanischer Spezialisten erhöht oder senkt eine Veränderung der Harnsäure um 1 mg/dl das Herzinfarktrisiko ähnlich wie eine Veränderung des Cholesterins um 20 mg/dl oder des Blutdrucks um 10 mmHg.

Laut Meinung von Experten sollten Betroffene besonders auf ihre Ernährung achten. Das heißt: Besonders purinreiche Nahrungsmittel meiden, die im Körper zu Harnsäure abgebaut werden.

Auch eine fettarme Ernährung, die gleichzeitig das Körpergewicht kontrollieren hilft, kann Gicht positiv beeinflussen. Die Verdauung tierischer Fette lässt im Körper nämlich so genannte Ketonkörper entstehen, die ähnlich wie Alkohol die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren beeinträchtigen. Deshalb sollte auch bei Schlankheitskuren ausreichend Wasser, Kräutertee oder verdünnter Obstsaft getrunken werden, um die Nierentätigkeit zu unterstützen. (red, derStandard.at, 27.3.2013)

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