Einsamer Tod eines Oligarchen

24. März 2013, 17:59
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Nach dem Tod des russischen Oligarchen Boris Beresowski in seiner britischen Villa gibt es viele Spekulationen. In Moskau galt er lange als Staatsfeind, doch zuletzt soll er Putin Versöhnung angeboten haben

London/Moskau - Es war ein einsamer Tod, den Boris Beresowski (67) in seiner edlen Villa westlich von London starb. Samstagnachmittag rief ein Bodyguard des exilierten Oligarchen eine Ambulanz in das Haus in Ascot (Grafschaft Berkshire). Doch die Sanitäter konnten nur noch den Tod feststellen. Die genaue Ursache muss erst durch eine Obduktion geklärt werden, die Kriminalpolizei schloss aber am Sonntag einen Giftmord à la KGB vorerst aus. Immerhin galt Beresowski als Staatsfeind Nummer 1 in Russland.

Russlands Präsident Wladimir Putin sei über Beresowskis Tod informiert, erklärte sein Pressesprecher Dmitri Peskow. Über dessen Reaktion wisse er nichts. "Das Einzige, was ich Ihnen sagen kann, ist dass die Nachricht über den Tod eines Menschen, keine positiven Emotionen hervorrufen kann, egal was für ein Mensch das ist", sagte er. Und doch dürfte die Information im Kreml für Erleichterung gesorgt haben.

Flucht nach London

Beresowski war Anfang der 90er-Jahre in die Wirtschaft gewechselt - oder das, was man damals darunter verstand. Schnell wurde er mit dubiosen Mitteln zu einem der reichsten Männer Russlands. Den Reichtum nutzte er, um sich Zugang zum Kreml zu verschaffen - und die politische Macht, um weiteren Reichtum anzuhäufen. Ende der 90er-Jahre galt Beresowski als die graue Eminenz im Kreml. Er half, den Wahlsieg Boris Jelzins 1996 zu sichern und er verhalf auch dessen Nachfolger Putin zur Macht. Doch dann überwarf er sich mit seinem Schützling, musste fliehen und kritisierte dessen Politik von London aus. In Moskau wurden unterdessen zahlreiche Prozesse gegen Beresowski angestrengt. Zweimal wurde er in Abwesenheit von einem Moskauer Gericht wegen Betrugs verurteilt - einmal zu sechs und einmal zu 13 Jahren Haft. 2003 gewährte ihm Großbritannien Asyl.

Der Eifer, mit dem die russischen Behörden gegen Beresowski ermittelten, verdeutlicht, welchen Einfluss der Exil-Oligarch auch danach noch in Russland besaß. Die großen Skandale unter Putin - der Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja und die Polonium-Vergiftung des ebenfalls nach London geflohenen Ex-Agenten Alexander Litwinenko (siehe Artikel rechts) - wurden jeweils zum Schlagabtausch zwischen Beresowski und dem Kreml.

Brief an Putin

Angeblich soll Beresowski vor zwei Monaten einen persönlichen Brief an Putin geschrieben haben, in dem er zahlreiche Fehler einräume und um die Möglichkeit einer Rückkehr nach Russland gebeten habe. Dass Beresowski unter Heimweh litt, hatte er wenige Stunden vor seinem Tod in einem Interview selbst erklärt. In den letzten Monaten soll der Unternehmer stark depressiv gewesen sein, erklärte sein langjähriger Anwalt Alexander Dobrowinski. Neben dem Heimweh dürfte auch die finanzielle Schieflage des Ex-Milliardärs dazu beigetragen haben. Im Herbst hatte er einen Milliardenprozess gegen seinen Ex-Partner Roman Abramowitsch verloren und musste daraufhin seinen Besitz verkaufen, um die Kosten zu bezahlen.

Auch sonst war ihm die britische Justiz wenig gewogen. Seiner Ex-Frau Galina Bescharowa, Mutter zweier Kinder mit Beresowski, sprach das Scheidungsgericht 2011 mehr als 100 Millionen Pfund zu. Zuletzt fror der High Court auf Antrag seiner Lebensgefährtin Jelena Gorbunowa 200 Millionen seines Vermögens ein. (André Ballin, Sebastian Borger, DER STANDARD, 25.3.2013)

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    Boris Beresowski starb in seiner Villa

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